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Standpunkt: Digi-Euro für alle!

30. Oktober 2019 von in Allgemein | Keine Kommentare

Der deutsche Bankenverband hat heute erklärt, wie er sich einen digitalen Euro vorstellt. Das Wichtigste: Technisch soll er auf dem neuesten Stand sein. Inhaltlich ist er aber eine Mogelpackung – zumindest für alle, die sich eine staatliche Digitalwährung wünschen.

Zur Technik: Der Digi-Euro soll es zum Beispiel erlauben, dass Maschinen künftig nicht nur autonom arbeiten, sondern auch eigenständig bezahlen können. Dazu muss man sie nur mit einer gefüllten Digi-Geldbörse – auf Neudeutsch Wallet – ausstatten. Überhaupt sollen Hauptanwender des Digi-Geldes vorerst die Unternehmen sein. Verbraucher wollen die Banken zwar nicht ausschließen, sie stehen aber erst einmal nicht im Fokus.

Hieran schließt sich auch meine inhaltliche Kritik: Die Banken wollen den Digi-Euro selbst ausgeben. Sie wollen nicht, dass er – wie Banknoten – von der EZB kommt. Wenn er von den Banken kommt, ist er aber keine „staatliche Währung“, als die ihn viele gerne sehen. Er ist dann nur privates Geld. Die Banken versprechen allenfalls, dieses Geld jederzeit eins zu eins gegen Banknoten einzutauschen. Nichts anderes tun sie derzeit bei den Guthaben, die wir auf unseren Bankkonten haben.

Dabei wäre mit einem neuen digitalen Zahlungsmittel der Notenbank die einmalige Chance verbunden, dem Bargeld eine echte Alternative an die Seite zu stellen. Nicht als Ersatz, um die Banknoten abzuschaffen, sondern als Ergänzung zu den Geldscheinen. Soll doch der Markt entscheiden, welche der beiden Formen sich durchsetzt.

Praktisch könnte der staatliche Digi-Euro ähnlich in Umlauf kommen wie derzeit das Bargeld: Die Banken könnten ihn sich gegen Hinterlegung von Sicherheiten bei der EZB besorgen und dann an ihre Kunden weiterreichen. Zu Letzterem bräuchten sie nicht einmal Geldautomaten.

Aber was würde uns ein staatlicher Digi-Euro überhaupt bringen? Schließlich ist digitales Bezahlen schon jetzt State of the Art – ob mit dem Handy, der Karte oder beim Online-Überweisen. Vielleicht würde es mit dem Digi-Euro ein bisschen billiger, vielleicht ginge es auch ein bisschen schneller. Aber insgesamt halte ich den praktische Nutzen für uns im Alltag für überschaubar.

Den entscheidenden Vorteil sehe ich ganz woanders: Wir könnten staatliches Geld viel leichter aufbewahren als jetzt. Jetzt müssen wir dafür Tresore kaufen oder Schließfächer mieten. Oder wir müssen das Geld der Bank leihen, damit sie es für uns auf dem Konto aufbewahrt. Aber leihen ist eben nicht dasselbe wie besitzen. In normalen Zeiten mag dieser Unterschied keine große Rolle spielen. In Krisenzeiten aber schon. Und die nächste Finanzkrise kommt bestimmt, wetten?

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