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Kolumnen

Hier stehen alle Kolumnen und Kommentare von Raimund Brichta in der Reihenfolge ihres Erscheinens.

Meilenstein für den DAX

7. Mai 2007 von | Keine Kommentare

Börsenkolumne von Raimund Brichta, veröffentlicht am 7.5.2007 Der DAX hat mit 7.500 Punkten mehr geschafft als nur eine weitere halbrunde Marke. Denn er ist damit zum ersten Mal seit dem Kurseinbruch zur Jahrtausendwende wieder in den Bereich einer fairen Bewertung vorgestoßen. Jahrelang war der DAX unterbewertet, weil die Anleger nach dem Markteinbruch zu vorsichtig waren und ihm keine höhere Bewertung zubilligen wollten. Das ist nun vorbei. Und damit sind wir in der zweiten Phase eines großen, dreiphasigen Kursaufschwungs, der nach meiner Erwartung mindestens bis zum Wechsel des Jahrzehnts dauern wird. Der Ablauf ist typisch: In Phase eins, der Unterbewertung, steckt den Anlegern noch der vorangegangene Abschwung in den Knochen. In der zweiten Phase normalisiert sich die Stimmung wieder, und die Bewertungen steigen auf ihre langfristigen Durchschnittsniveaus. Dies geht dann in die dritte Phase über, die von Überbewertungen und Euphorie geprägt ist. Danach folgt der nächste große Abschwung. Das Maß aller Dinge, um Unter-, Über- oder faire Bewertungen zu erkennen, ist und bleibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Die Zahl also, die angibt, mit dem Wievielfachen ihres Jahresgewinns die im DAX enthaltenen Unternehmen an der Börse bewertet werden. Dabei hat sich für große Firmen, wie sie im DAX zusammengefasst sind, im langjährigen Durchschnitt etwa das Fünfzehnfache des Jahresgewinns als ein Wert herauskristallisiert, der als fair gilt. Und genau dieses KGV von 15 hat der DAX bei 7.500 Punkten erreicht – zum ersten Mal seit langem. Wie geht es nun weiter? Am Jahresanfang hatte ich die 7.500 Punkte in der TELEBÖRSE bewusst als MINDEST-Ziel für dieses Jahr formuliert. Denn wir haben eine Phase des Aufschwungs erreicht, in der die Anleger „mutiger“ werden und dem DAX – anders als in den vergangenen Jahren – durchaus auch höhere Bewertungen zubilligen. „Mindest“ bedeutet also: Es kann mehr werden, und zwar in dem Maße, wie wir langsam in die Phase der Überbewertungen hineinwachsen. Die Argumente für weiter steigende Kurse gehen übrigens noch lange nicht aus. Eines der wichtigsten sind zurzeit die Zinsen. Vergleicht man nämlich die Bewertungen am Aktienmarkt mit denen am Anleihemarkt, entdeckt man weiteres Aufwärtspotential für deutsche Aktien. Leute wie der amerikanische Börsenprofi Kenneth Fisher (www.fi.com) unterstellen den Märkten sogar, langfristig ein GLEICHGEWICHT zwischen Anleiherendite (z.B. für 10-jährige Bundesanleihen) und Aktienrendite (= 1 geteilt durchs KGV) anzustreben. Danach wäre für den DAX (beim derzeitigen Zinsniveau von 4,2% für die 10-jährige Bundesanleihe) ein KGV von 23,8 zu rechtfertigen (1 / 23,8 = 4,2%), was ihm noch in diesem Jahr ein Potential bis 11.900 Punkte geben würde! Gehen wir noch einen Schritt weiter und unterstellen, der DAX liefe in eine Übertreibung wie im Jahr 2000 hinein mit einem KGV von damals 30, dann könnte er auf Basis der für dieses Jahr erwarteten Gewinne sogar auf 15.000 Punkte steigen! Klar: Diese Höhen wird er in diesem Jahr nicht mehr erreichen. Aber Sie sehen daran, welche Kursziele sich argumentativ rechtfertigen lassen. Tatsächlich kann der DAX dieses Jahr – wie von mir zum Jahresanfang angedeutet – über 8.000 Punkte steigen. Allerdings wird es jetzt holpriger werden, so dass man sich als Anleger unbedingt anschnallen sollte. Das heißt: Nehmen Sie den Aufschwung auf jeden Fall mit, denken Sie aber auch jederzeit an den Absprung (auch noch in diesem Jahr!), sobald der Markt zu kippen beginnt. Je höher der DAX jetzt noch hinausschießt, desto heftiger dürfte im Anschluss daran der Einbruch werden....

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Die wundersame Geldvermehrung

15. Oktober 2005 von | Keine Kommentare

Die wundersame Geldvermehrung

Kolumne von Raimund Brichta, geschrieben im Oktober 2005 Mehr als 30 Millionen Euro aus dem Nichts zu zaubern, ist auch im Jahr 2005 nach Christus möglich. Harald Christ, der Vorstandschef des Börsenneulings HCI Capital, hat es dieser Tage vorgemacht. Mit einem einfachen Rezept: Man suche sich eine Bank, die einem 4,5 Millionen Euro leiht. Sofern die Bank weiß, was man damit vorhat, wird sie diesen Kredit bereitwillig geben. Denn es lohnt sich auch für sie. Mit dem Geld kaufe man dann Aktien des Unternehmens, dessen Vorstand man ist, und zwar zum Stückpreis von einem Euro – macht 4,5 Millionen Aktien. Danach warte man einfach 9 Monate, bringe das Unternehmen an die Börse und verkaufe dabei einen Teil der Aktien wieder – sagen wir 2 Millionen Stück – zum Preis von 20,50 Euro pro Aktie. Macht einen Erlös von 41 Millionen Euro. Davon zahle man schnellstens den Kredit zurück, was – großzügig gerechnet – 5 Millionen Euro samt Zinsen ausmacht. Bleiben unterm Strich 36 Millionen Euro in bar. Und natürlich die restlichen 2,5 Millionen Aktien, die man noch im Depot hat. Die sind – je nach Börsenkurs – weitere 40-50 Millionen Euro „wert“. „Und Christ sprach: Es werde Geld! Und es ward Geld.“ Bravo! So fabriziert man Millionen in kurzer Zeit, ohne auch nur einen einzigen Cent eigenes Kapital einzusetzen! Und wenn man -schlau, schlau – diese Geschäfte auch noch über eine GmbH abwickelt (die einem selbstverständlich zu 100% gehört), braucht man an dem Geldsegen, der wie Manna vom Himmel fällt, nicht einmal das Finanzamt in erwähnenswerter Weise zu beteiligen. Dann wird nämlich nur eine minimale Steuer fällig. In den wenigen Monaten „Wartezeit“ muss man übrigens nichts anderes tun, als seinen Job als Vorstandsvorsitzender ordentlich zu verrichten. Dafür bekommt man natürlich auch noch eine ordentliche Jahresvergütung – im Falle Harald Christ von gut 2 Millionen Euro (für 2004). „Na und?“, werden diejenigen einwenden, die solche Geschäfte machen. „Schließlich geht hier alles nach Recht und Gesetz zu. Außerdem zahlen die neuen Aktionäre das Geld für ihre Beteiligung doch freiwillig.“ Stimmt. Die Frage ist nur, ob sie das auch täten, wenn sie über die Vorgänge vor dem Börsengang Bescheid wüssten. Dann könnten ihnen zumindest Zweifel daran kommen, ob es sinnvoll ist, in eine Aktie zu investieren, mit der der Verkäufer gerade einen Kursgewinn von 1.960 Prozent gemacht hat. Damit solche Bedenken gar nicht erst entstehen, werden diese Informationen in der Regel in einem Emissionsprospekt „versteckt“, der über hundert Seiten stark ist. Darin kann leider nur der geübte Leser finden, worauf es wirklich ankommt. Eigentlich sollte sich aber jeder die folgende Frage stellen können: Wenn jemand aus einem Eigenkapitaleinsatz von null (!) in wenigen Monaten über 30 Millionen Euro Bargeld macht (und sich darüber hinaus noch einen Depotwert von 40-50 Millionen Euro schafft), kann dies wirklich auf REALEN Werten beruhen, die in dieser Zeit geschaffen worden sind? Wohl kaum. Sind es also Phantasiewerte, wie es sie früher am Neuen Markt gab? Schon damals war die Christ’sche Art der Gelderschaffung ja gang und gäbe. Schon damals boten Leute ungeniert Aktien beim Börsengang für beispielsweise 20 Euro an, die sie selbst kurz vorher für nur einen Euro erstanden hatten. Die Anleger fanden nichts dabei und kauften. Erst später merkten viele, dass sie Opfer einer gigantischen Umverteilung wurden. Und noch etwas erinnert heute an damals: Über...

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IM DREISATZ AUF 5.000

7. September 2005 von | Keine Kommentare

Börsenkolumne von Raimund Brichta, erschienen am 7.9.2005 bei n-tv.de Elf Kühe geben 4.000 Liter Milch im Monat. Wieviel Milch geben dann 15 Kühe in der gleichen Zeit? Mit solchen Dreisätzen werden Generationen von Schülern gepiesackt. Nur wenige Kinder ahnen dabei, dass sie ein praktisches Werkzeug für später in die Hand bekommen. Der Dreisatz ist nämlich in vielen Lebenslagen äußerst nützlich. Dieses Mal konnten Anleger mit seiner Hilfe sogar das DAX-Ziel 5.000 vorausberechnen – genauso einfach wie die Milchleistung von 15 Kühen im Vergleich zu elf. Auch der DAX lässt sich vergleichen mit einer Herde von Kühen und mit der Milch, die sie als Ertrag hergeben. Der Wert einer solchen Herde ist in der Regel abhängig von der Milchleistung der Tiere. Ähnlich ist es an der Börse, wo die Unternehmen danach bewertet werden, wieviel Milch – sprich Gewinn – sie produzieren. Dabei hat sich für große Firmen, wie sie im DAX zusammengefasst sind, im langjährigen Durchschnitt etwa das Fünfzehnfache des Jahresgewinns als ein Wert herauskristallisiert, der als fair gilt. Außergewöhnliche Umstände können allerdings dazu führen, dass die tatsächliche Bewertung davon abweicht. Im vergangenen Jahr waren die Anleger nach dem vorangegangenen Kurseinbruch zum Beispiel so verunsichert, dass sie nur noch bereit waren, im Schnitt das Elffache zu zahlen. Zu dieser Zeit schwankte der DAX um 4.000 Punkte. Und hier kam der Dreisatz ins Spiel: Wenn der DAX bei 4.000 den Faktor 11 aufweist, wie hoch kann er dann steigen, sobald die Anleger ihre Verunsicherung abbauen und sich allmählich wieder normalen Bewertungsmaßstäben annähern – das heißt dem Faktor 15? Richtig: auf mindestens 5.000 Punkte. (Wer genau nachrechnet, wird sogar auf 5.450 Punkte kommen. Die 5.000 sind also nur der Mindestanspruch, den es zu erfüllen galt.) Wer daher bei 4.000 Punkten darauf setzte, dass an der Börse früher oder später wieder normale Verhältnisse einkehren, war mit Hilfe simpler Schulmathematik rechtzeitig auf das Ziel 5.000 vorbereitet. n-tv-Zuschauer gehörten dazu. Sie konnten in der TELE-BÖRSE schon im vergangenen Jahr mit dem DAX-Dreisatz Bekanntschaft machen. Trotzdem gerieten viele Anleger noch zu Beginn dieses Jahres in ungläubiges Staunen, wenn sie bei Veranstaltungen mit dieser Methode auf den bevorstehenden DAX-Aufschwung eingestimmt wurden. Zuviel hätte ja noch passieren können – wie immer im Leben. Kühe können zum Beispiel krank werden, dann geben sie weniger Milch. Ähnliches gilt für Unternehmen. Aber die DAX-Herde wurde nicht krank. Ganz im Gegenteil strotzen die meisten Mitglieder derzeit vor Kraft und steigern ihre Leistung weiter. Und das ist die eigentlich gute Nachricht: DAX-Aktien sind bei 5.000 Punkten noch lange nicht zu teuer. Anders als vor 7-einhalb Jahren, als die Herde zum ersten Mal auf diese Höhe stürmte, aber viel weniger Milch produzierte als heute. Folglich wurde sie mit dem Zwanzigfachen ihrer Jahresleistung bewertet. Heute ist es nicht einmal das Fünfzehnfache. Der DAX hat jetzt also viel festeren Boden unter den Füßen als bei der Erstbesteigung. Und er bekommt genügend Futter für seinen weiteren Weg, wie die rekordhohen Auftragseingänge in der deutschen Industrie...

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