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Kolumnen

Hier stehen alle Kolumnen und Kommentare von Raimund Brichta in der Reihenfolge ihres Erscheinens.

Wer zuviel Fusel trinkt …

25. Januar 2008 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Freitag, den 25. Januar 2008 Die Börsen haben sich gehörig den Magen verdorben. Und zwar an „Wein“ und „Champagner“, den die Investmentbanken bis Mitte letzten Jahres aus minderwertigen Rohstoffen zusammenpanschten, den sie von Rating-Agenturen mit „AAA“ etikettieren ließen, um ihn danach rund um den Globus als Prädikatserzeugnis in den Handel zu bringen. Dieses Gesöff, das sich mittlerweile auch für den letzten Geschmacksverirrten als Schwindel-Schampus entpuppt hat, brachte die Finanzkrise ins Rollen und erwies sich als eine Art Brechmittel für die Aktienmärkte. Hauptsächlich seinetwegen mussten sich die Börsen in den vergangenen Monaten so oft übergeben. Zumal auch andere Anlässe für die Kursverluste – wie die verbreitete Rezessionsangst – letztlich nur Folgen davon sind. Wie die Produktion der vermeintlich edlen Tropfen genau funktioniert hat, können Sie noch einmal in der Kolumne „Schampus aus Abwasser“ nachlesen, die Sie über den neben stehenden Link erreichen.   Kurz zusammengefasst steht dahinter, dass Kredite von weniger zahlungskräftigen Kunden zu Wertpapieren zusammengefasst wurden, die plötzlich auf wundersame Weise „erstklassig“ wurden. Das Problem ist nur, dass diese Papiere jetzt niemand mehr haben will, weil ihnen niemand traut. Folglich existieren für sie kein Markt und damit auch keine Markt-Preise. Nun stehen diese Papiere aber zuhauf in den Bilanzen von Finanzinstituten – wie soll man sie also bewerten? Wertlos sind sie – bei aller angebrachten Vorsicht – schließlich auch nicht.   Auch hierfür haben die modernen Finanzmärkte allerdings eine Lösung: Zwar können die Papiere selbst nicht gehandelt werden, aber es gibt standardisierte Indizes auf solche Papiere, die sehr wohl einen Markt haben. Das ist etwa so, als wenn man für deutsche Aktien keinen Käufer mehr fände, für den DAX dagegen schon. Klingt kurios, ist aber so. Und damit ist auch das Bewertungsproblem gelöst. Denn Banken und ihre Wirtschaftsprüfer haben sich darauf geeinigt, einfach diese Indizes als Ersatzmaßstab zu nehmen – als Orientierungsgröße also, um die eigenen (derzeit unverkäuflichen) Papiere bewerten zu können. Fallen die Indizes, fällt auch der Wert der eigenen Papiere, steigen sie dagegen, steigt auch der entsprechende Wert in der Bilanz. Das genau steckt hinter den Milliardenabschreibungen (also Wertminderungen) der Finanzhäuser, die in letzter Zeit die Börsen so verunsichert haben. Denn die Indizes kannten in den vergangenen Monaten im Prinzip nur eine Richtung: nach unten.   Das ist deshalb interessant, weil man sich fragen muss, wie die entsprechenden Index-Preise überhaupt zustande kommen? Im Prinzip wie an der Börse: Sie richten sich nach Angebot und Nachfrage. Jemand, der solche Papiere im Bestand hat, kann sich zum Beispiel gegen befürchtete Verluste absichern, indem er einen Index verkauft, dessen Bestandteile den eigenen Papieren am meisten ähneln. Andere spekulieren einfach auf einen weiteren Index-Rutsch und verkaufen deshalb. Auf der Gegenseite stehen vielleicht Leute, die auf eine Erholung setzen und kaufen. Kurzum: Das Geschehen dort lässt sich wie an der Börse schwer vorhersagen. Und genauso wie an der Börse ist Psychologie im Spiel, die zu Über- oder Untertreibungen führen kann.    Schaut man auf die Stände besagter Indizes zum Bilanzstichtag Ende Dezember, dann ist klar, dass die betroffenen Finanzhäuser in den nächsten Tagen mit ihren Quartalsabschlüssen weitere Abschreibungen melden werden. Zumal die Indizes im Januar noch einmal gefallen sind, was man bei vorsichtiger Bilanzierung berücksichtigen sollte. Da dies an der Börse aber weitgehend bekannt ist, sollten solche Beichten – von Ausnahmen abgesehen – nicht mehr zu großen Überraschungen...

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So wird 2008

26. Dezember 2007 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Mittwoch, den 26. Dezember 2007 Man liest zurzeit so viele Börsenprognosen für das neue Jahr – sollte es dann auch noch eine von mir geben? Diese Frage habe ich mir kritisch gestellt und aus zwei Gründen mit ja beantwortet: Erstens sind viele der üblichen Vorhersagen von fragwürdigem Nutzwert. Zum Beispiel die Prognose eines deutschen Bankers, die ich kürzlich im Radio hörte. Ich zitiere sinngemäß: „Wir halten einen DAX von 8.500 Punkten für möglich, es könnte aber auch mehr werden. Sofern die amerikanischen Märkte nicht mitspielen, allerdings auch deutlich weniger.“ Die Aussagekraft solcher „Prognosen“ tendiert gegen null. Es kann die Sonne scheinen oder regnen. Wer sich nicht festlegt, kann auch nicht daneben liegen. Da halte ich es lieber mit jenen, die sich festlegen, denn nur dann machen Prognosen Sinn. Auch wenn ich mich damit der Gefahr des Danebenliegens aussetze. Interessanterweise lag ich in den vergangenen drei Jahren aber nicht daneben, sondern traf jedes Jahr genau ins Schwarze. Das ist der zweite Grund für diese Kolumne. Natürlich habe auch ich keine Glaskugel, die die Zukunft vorhersagt. Aber ich habe ein gesundes Urteilsvermögen, das auf der Grundlage der vorhandenen Informationen Annahmen für die Zukunft treffen kann. Diese Annahmen sind nicht unverrückbar. Im Gegenteil: Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich auch meine Meinung, das ist klar. Solange sich die Fakten aber nicht ändern, brauche ich auch an meiner Prognose nichts zu korrigieren. Zum Beispiel im zurückliegenden Jahr 2007, das der DAX bei 6.600 Punkten begonnen hatte: Zum Jahresbeginn gab ich ein Mindestziel von 7.500 Punkten vor, hielt ein Überschießen auf 8.000 Punkte für möglich und rechnete im Anschluss daran mit einer Korrektur. Fällt Ihnen etwas auf? Genau, so ist es dann auch gekommen. Den Anlass zur Korrektur kannte ich am Jahresbeginn zwar auch noch nicht, aber Anlässe finden sich immer an der Börse. Der Markt muss nur reif dafür sein. Jetzt also auf ein Neues – wie wird 2008? Für den DAX werden vor allem zwei Faktoren entscheidend sein: Erstens die weiteren Schritte der amerikanischen Notenbank. Und zweitens – wie in den vergangenen Jahren – die Gewinne der Unternehmen. Das Vorgehen der amerikanischen Notenbanker liegt für mich klar auf der Hand: In den USA liegt das Zentrum der Kreditkrise. Deshalb wird Notenbankboss Bernanke gar nichts anderes übrig bleiben, als die Zinsen weiter nach unten zu drücken – Inflationsgefahr hin oder her. Nur mit weiteren beherzten Schritten wird er Schlimmeres verhindern können. Wie sein Vorgänger wird er damit die Krise in Geld ertränken und – in einer Art Nebeneffekt – den amerikanischen Aktienmarkt weiter nach oben spülen. Ein großer Einbruch der US-Wirtschaft wird unter diesen Umständen ausbleiben, schließlich ist auch noch Wahljahr in den USA. Für die Unternehmen im DAX, die stark von der internationalen und der amerikanischen Wirtschaft abhängen, bedeutet das: Sie haben erneut die Chance, die in sie gesteckten Gewinnerwartungen der Analysten zu erfüllen. So wie in den vergangenen Jahren, in denen sie die Erwartungen im Durchschnitt sogar übertreffen konnten. Alles weitere ist damit ein Kinderspiel: Sofern die DAX-Unternehmen die Gewinnerwartungen für das Jahr 2008 erfüllen, liegt der faire DAX-Wert bei 9.500 Punkten. Errechnet nach derselben simplen Methode, die ich in der Kolumne „Im Dreisatz auf 5000“ aus dem Jahr 2005 beschrieben habe. 9.500 DAX-Punkte sind also mein Mindestziel für 2008. „Mindest“ deshalb, weil in...

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MÜNCHHAUSENS ABENTEUER

3. Dezember 2007 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am 3. Dezember 2007 Freiherr von Münchhausen hätte an den Amerikanern seine wahre Freude. Sie machen jetzt wieder einmal das, was dem Lügenbaron nur in seiner Phantasie gelang: sich am eigenen Schopfe aus dem Morast zu ziehen! Dieses Mal funktioniert es vermutlich so: Millionen kleiner Leute, die mit billigen Zinsen in Wohneigentum gelockt wurden, das sie sich eigentlich gar nicht leisten können, bekommen den anfänglichen Lockvogelzins auf Jahre verlängert. Normalerweise würde er nach einer Schamfrist kräftig heraufgesetzt. Bleibt er aber nun niedrig, erspart man sich unzählige Zwangsversteigerungen, die ansonsten unvermeidbar wären. Das wiederum entlastet den amerikanischen Konsumenten, von dessen Ausgabenfreude das Wohl und Wehe der gesamten Wirtschaft abhängt. Aber das ist nur eine Seite des Münchhausen-Deals. Damit sich die Banken und all die anderen Baufinanzierer ihre „Zinsgeschenke“ an die Eigenheimbesitzer überhaupt leisten können, brauchen sie die Hilfe der Notenbank. Ben Bernanke und seine Leute werden also ihren Leitzins weiter nach unten schrauben, und zwar vermutlich tiefer, als sich das die meisten Banker bis jetzt erträumen. Bravo! So macht man das. Und das ist auch keine Hilfe von außen, denn Banken, Regierung und Notenbank sitzen schließlich auf demselben Pferd, das sie gemeinsam in den Sumpf geritten haben. Was die Amerikaner vorhaben, überrascht mich auch nicht. Sie handeln nämlich nur nach dem Muster, das wir schon seit Jahren kennen: Krisen, die ihre Ursachen letztendlich in einer riesigen Flutwelle an Geld haben, die über den Globus schwappt, werden in NOCH MEHR Geld ertränkt. Schleusen auf! Leider bleibt den Verantwortlichen auch gar nichts anderes übrig, als so zu handeln. Denn die Alternative wäre eine heftige Wirtschaftskrise, für die niemand verantwortlich sein will. Diese Krise verschiebt man lieber in die Zukunft, wenn man selbst nicht mehr „verantwortlich“ – sprich im Amt – ist. Und auch das erinnert an Münchhausen, der es ja bekanntlich fertig gebracht hat, auf einer Kanonenkugel zu reiten. Ob dieser Ritt für uns so glimpflich enden wird wie für den Lügenbaron, weiß ich nicht. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass der Einschlag noch über Jahre hinausgezögert wird. In der Zwischenzeit könnte man ja mal die Münchhausen-Spiele in Bodenwerder besuchen, meint Ihr Raimund Brichta Quelle:...

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Schampus aus Abwasser

24. September 2007 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Montag, den 24. September 2007. Der Text wurde im Jahr 2008 mit dem State-Street-Preis für Finanjournalisten ausgezeichnet. Was Jesus konnte, können unsere modernen Investmentbanken auch: Gemeinsam mit den Rating-Agenturen verwandeln sie Wasser in Wein. Das Prinzip funktioniert so: Zuerst suchen die Banken nach Krediten von weniger zahlungskräftigen Schuldnern, kaufen sie zu Tausenden auf und „schütten“ sie in einen großen Pool. Jeder einzelne Kredit ist dabei mit einer relativ hohen Ausfallwahrscheinlichkeit behaftet, da diejenigen, die sich das Geld geliehen haben, – wie gesagt – nicht zu den kreditwürdigsten Leuten gehören. Von einer Rating-Agentur bewertet, bekämen diese Kredite also relativ schlechte Noten. Vorteil dagegen: Diese Schuldner zahlen – wegen des höheren Risikos – vergleichsweise hohe Zinsen.   Nachdem das Becken nun mit Tausenden solcher Kredite gefüllt wurde, werden „Anrechte“ am Pool weiterverkauft, und zwar in verschiedenen „Schichten“. Den Käufern der obersten Schicht wird gesagt: „Zahlungen, die von den Schuldnern aus dem Pool kommen, gehen zuerst an Euch.“ Erst wenn die oberste Schicht vollständig befriedigt ist, kommt die nächste an die Reihe. Und so geht es schichtweise weiter – bis zu den Käufern der untersten Schicht, die ihr Geld als Letzte bekommen. Umgekehrt werden sie natürlich die Ersten sein, die von Zahlungsausfällen betroffen sind.   Die Ausfallwahrscheinlichkeit jeder einzelnen Schicht wird von Rating-Agenturen nach komplizierten mathematischen Modellen berechnet. Am Ende steht aber – und das ist für den Käufer (sprich Anleger) entscheidend – eine „Note“ für jede Schicht. Nach dieser Note treffen die Anleger ihre Entscheidungen, in welche Schicht sie investieren: In eine untere mit höherem Risiko, dafür auch höherer Verzinsung, oder in eine obere mit geringerem Risiko und entsprechend niedrigerem Zins.   Das Wunderbare dabei ist, dass der überwiegende Teil der Schichten (häufig 80-90% des gesamten Pools) die Note „ausreichend“ und besser bekommt – die oberste Schicht sogar ein „sehr gut“, also eine 1. Und das, obwohl der Pool nur aus Krediten minderwertiger Qualität besteht, die, würde man sie EINZELN bewerten, in den meisten Fällen nur eine 5 bekämen.   So machen Banker und Agenturen aus Wasser Wein und produzieren dabei sogar zahlreiche „edle Tropfen“ mit Prädikat.   Aber es kommt noch besser: Was passiert, wenn man die untersten Schichten aus einem Pool gar nicht an „Endkunden“ verkauft, sondern sie in ein weiteres Becken gießt? Wenn man dieses Becken dann mit den unteren Schichten anderer, ähnlicher Pools auffüllt? Genau: Aus all dieser minderwertigen Flüssigkeit entsteht natürlich nach demselben Prinzip wieder ein Gemisch, dessen Oberschicht von den Rating-Agenturen Bestnoten erhält und deshalb von den Investmentbanken als „Prädikatserzeugnis“ verkauft werden kann. Das ist mehr, als Jesus vollbringen konnte. Denn damit wird aus Abwasser Champagner gemacht!   In den Verkauf gelangen solche Erzeugnisse, nachdem sie mit angelsächsischen Kürzeln versehen worden sind wie „RMBS“ (Residential Mortgage Backed Securities) für den erstgenannten Beispiel-Pool oder „CDO“ (Collateralized Debt Obligation) für einen Pool nach der zweiten Methode. Das Ganze geht so lange gut, wie sich die Ausfallraten solcher Kredite im „normalen“ Rahmen der statistischen Wahrscheinlichkeiten bewegen. Wenn sich aber die Zahlungsschwierigkeiten solcher Leute „ungewöhnlich“ häufen – so wie zuletzt in den USA nach dem Ende des Immobilienbooms -, dann kann das, was anfangs als „feines Tröpfchen“ daherkam, schnell zur übelriechenden Brühe werden.   Quelle:...

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Märkte an der Decke

26. Juni 2007 von | Keine Kommentare

Börsenkolumne von Raimund Brichta, erschienen am Dienstag, den 26. Juni 2007 Die Börsenparty geht nun langsam zu Ende. Die furiose Erholung bis zum Mittwoch vergangener Woche könnte das grandiose Finale gewesen sein, das den Dax sogar noch bis an sein 7 Jahre altes Rekordhoch heranbrachte. Dabei ist der Dax selbst momentan gar nicht das Problem. Schließlich kletterte er am letzten Mittwoch artig auf ein neues Hoch, das ÜBER dem vorangegangenen lag. Damit ist die Welt der Bullen vordergründig noch in Ordnung. Könnte der anschließende Rückschlag nicht einfach dazu dienen, neuen Anlauf zu nehmen, um den Allzeit-Rekord doch noch zu überspringen? Im Prinzip ja, wenn da nicht die restliche Börsenwelt wäre: Dow-Jones- und S&P-500-Index sind an ihren zuletzt erreichten Hochpunkten hängengeblieben und wieder zurückgefallen. KEIN neues Hoch also, das ist ein Warnsignal. Außerdem ist der S&P damit erneut an seinem Allzeitrekord gescheitert. Ein ähnliches Bild in China, wo die Börse richtig heiß gelaufenen und deshalb für einen kräftigen Abverkauf am anfälligsten ist. Auch dort blieben die Kurse an den Ende Mai erreichten Rekordständen stecken, um anschließend wieder zu fallen. Dass sich die Aktien weltweit trotzdem immer wieder erholen, hat einen einfachen Grund: Es sind noch Leute da, die kaufen. Allerdings gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass dies die „schwachen“ Hände sind, die das Material aufnehmen, das die „starken“ Hände geben. Ein solcher Wechsel ist typisch für die Endphase eines Aufschwungs und endet meistens damit, dass die „Schwachen“ auf Verlusten sitzen und in die Röhre gucken. Die Starken werden auch wieder kommen und kaufen. Allerdings erst dann, wenn die Schwachen die Papiere nicht mehr haben wollen – vermutlich zu deutlich niedrigeren Kursen. Ungerecht? Mag sein. Aber auch wahr, meint Ihr, nicht überall nach Gerechtigkeit suchender Raimund Brichta Quelle:...

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