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Kolumnen

Hier stehen alle Kolumnen und Kommentare von Raimund Brichta in der Reihenfolge ihres Erscheinens.

Sicherheitsgurt für Ihr Geld

19. September 2008 von | Keine Kommentare

Sicherheitsgurt für Ihr Geld

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Freitag, den 19. September 2008 Wer sich in diesen Tagen Gedanken darüber macht, wie sicher das eigene Geld bei der Bank ist, stößt auf Erstaunliches. Schon eine einfache Anfrage beim Bankenverband fördert Aberwitziges zutage. So kann sich jedermann auf der Internetseite des Bankenverbandes darüber informieren, bis zu welcher Höhe ein Konto abgesichert ist. Man klickt dort einfach auf „Sicherungsgrenze abfragen“, gibt den Namen der Bank seines Vertrauens ein und bekommt wenig später Antwort per E-Mail. Ich habe das mal getestet und den Namen der Deutschen Bank eingegeben. Ergebnis: Mein Konto wäre dort bis zu 7,5 Milliarden Euro „voll geschützt“, wie es wörtlich heißt. Das klingt beruhigend – ich hätte die Mail also erleichtert in die Ablage befördern und mich wieder anderen Dingen zuwenden können. Stattdessen kam ich aber ins Grübeln: Die Einlagen eines jeden Kunden bei der Deutschen Bank sollen bis 7.500.000.000,00 Euro „voll geschützt“ sein? Bei 8,5 Millionen Kunden, die die Deutsche Bank hat, macht das – überschlägig gerechnet – 63.750.000.000.000.000,00 Euro. Eine Zahl, die man „63 Billiarden und 750 Billionen“ nennt. Soviel Geld gibt es vermutlich auf der ganzen Welt nicht! Mich beschlich also der Verdacht, einer Spam-Mail aufgesessen zu sein. Aber ein Blick auf den Absender überzeugte mich davon, dass es wohl tatsächlich „ernst“ gemeint war. Ernst nehmen kann man es allerdings nicht. Warum also versuchen die Banken, die sich doch gerne seriös geben, ihre Kundschaft mit solch aberwitzigen Hausnummern einzulullen? Schließlich verfügt der gesamte Einlagensicherungsfonds momentan nur über etwa 4,5 Mrd. Euro – und zwar für alle Mitgliedsbanken und alle deren Kunden gemeinsam! Und schon eine Pleite der weniger bedeutenden IKB-Bank hätte diesen Fonds vermutlich überfordert, weshalb der Staat bei der IKB einspringen musste, um sie vor dem Absaufen zu bewahren. Fragwürdig mutet außerdem an, dass der Einlagensicherungsfonds ein großes Geheimnis daraus macht, über wie viel Geld er tatsächlich verfügt. Die Zahl von rund 4,5 Milliarden, die ich gerade nannte, stammt lediglich von Finanzminister Steinbrück, der sie einmal in einer nicht-öffentlichen Sitzung unter Bundestagsabgeordneten fallengelassen haben soll. Danach muss sie von Volksvertretern ausgeplaudert worden sein; jedenfalls zirkuliert sie seitdem in der Presse. Offiziell erfährt man dazu aber nichts. Und genau das ist ein fragwürdiges Gebaren: Auf der einen Seite verlangen Banken nämlich von ihren Kunden, sich teilweise „bis aufs Hemd“ zu offenbaren, wenn sie einen Kredit haben wollen. Auf der anderen Seite verweigern sie aber gerade jenen Einblick bei sich selbst, obwohl ihre Kunden ein ebenso berechtigtes Sicherheits-Interesse daran haben. Außerdem bedienen sich seit Ausbruch der Finanzkrise immer mehr Banker des Modeworts der „größeren Transparenz“, die herrschen solle. Denn sie selbst leiden darunter, dass sie im Geschäft mit anderen Banken oft nicht einmal erahnen können, welche Risiken beim Geschäftspartner im Verborgenen liegen. Um ihren eigenen Einlagensicherungsfonds aber veranstalten sie eine solche Geheimniskrämerei. Das macht sie unglaubwürdig. Wer Transparenz fordert, muss auch selbst Transparenz liefern! Zur Rechtfertigung führen die Banker gerne folgendes Argument ins Feld: Für die Kunden sei es doch völlig unerheblich, wie hoch die aktuellen Reserven des Fonds ausfallen. Sollte nämlich der Vorrat nicht reichen, würden die Mitgliedsbanken einfach so lange zur Kasse gebeten, bis genügend Geld beisammen sei. Das klingt zuerst einmal ganz plausibel. Leider wird dabei aber ein Umstand außer Acht gelassen, den wir alle kennen. Und zwar der Unterschied zwischen „etwas schon haben“ und „sich...

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Beim Geld geht es um die Wurst

11. Juli 2008 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Freitag, den 11. Juli 2008 Die wenigsten Leute haben schon einmal dabei zugesehen, wie Wurst gemacht wird. Und das ist auch gut so. Denn wer es einmal beobachtet hat, kann leicht den Appetit verlieren. Beim Geld ist es ähnlich: Jeder hat es im Portmonee und auf dem Konto, aber im Prinzip weiß kaum jemand, wie es gemacht wird oder wo es herkommt. Und auch das ist gut so. Denn je mehr man übers Geld erfährt, desto eher kann man das Vertrauen in es verlieren. Dabei ist Vertrauen beim Geld mindestens so wichtig wie Appetit bei der Wurst. Im Prinzip ist Vertrauen sogar das Einzige, aus dem Geld besteht. Wie bitte? Geld soll nur aus Vertrauen bestehen? Aus sonst nichts? Gibt es denn keinen materiellen Wert, der es wertvoll macht? Schließlich kann man sich doch fast alles dafür kaufen, was man will! Das stimmt zwar, und deswegen glauben viele auch, hinter Geld stecke eine Art Garantie. Zum Beispiel, dass man es notfalls in etwas wahrhaft Werthaltiges eintauschen kann, etwa in Gold. Mitnichten. Wer diesen Traum weiter träumen will, sollte jetzt lieber aufhören zu lesen … … Hallo! … Ich warne Sie! Das ist die letzte Möglichkeit. Schließen Sie diese Seite! … Okay, Sie sind hartnäckig. Aber denken Sie daran: Weiterlesen auf eigene Gefahr! Wie wird Geld gemacht? Bei Vorträgen frage ich manchmal ins Publikum: „Wer weiß eigentlich, wie Geld gemacht wird?“ Als Antwort kommen dann häufig Sätze wie „es wird gedruckt“ oder „die Zentralbank macht es.“ Aber wie es tatsächlich auf die Welt kommt, können sich die wenigsten vorstellen. Also bringen wir es hier auf den Punkt: Geld wird in der Regel nur aus einem erschaffen, und zwar aus Kredit – und das nicht nur von der Zentralbank. ALLE Banken machen Geld. Nehmen wir zum Beispiel an, Sie gehen zur Bank Ihres Vertrauens und leihen sich dort 10.000 Euro. Dann entstehen 10.000 Euro, die es vorher noch nicht gegeben hat. Die Bank produziert das Geld extra für Sie, und zwar im Handumdrehen per Knopfdruck – aus dem Nichts! Sie glauben das nicht? Sie meinen, die Bank könne Ihnen doch nur etwas „leihen“, das sie schon „besitzt“, das es also schon gibt? Weit gefehlt. Banken verleihen Geld, das es noch nicht gibt. Sie erschaffen es erst, und zwar genau mit dem Akt der Kreditvergabe. Geld kommt also quasi aus dem Nichts. Es bleibt so lange, wie der Kredit besteht. Und es verschwindet wieder im Nichts, wenn Sie den Kredit tilgen. Mit diesem Sachverhalt muss man sich erst einmal vertraut machen: Normalerweise verleiht man schließlich nur etwas, das man schon hat. Normale Leute wie Sie und ich können auch tatsächlich nur solches Geld als Kredit hergeben, das wir schon besitzen. Das gilt auch für normale Unternehmen, die keine Banken sind. Bei solchen Kreditgebern entsteht kein Geld. Nur Banken machen das Geld, das sie verleihen, erst selbst. Gäbe es die Banken und ihre Kredite nicht, gäbe es auch kein Geld! Nur durch sie kommt Geld auf diese Welt. Schauen wir uns das jetzt einmal aus der Nähe an. Sie brauchen auch keine Bedenken zu haben: Das Geldproduzieren ist lange nicht so unappetitlich wie die Herstellung von Würsten! Aus null werden zehntausend! Was passiert also, wenn Sie Ihren Kredit aufnehmen? Eigentlich ist die Sache ganz einfach: Auf Ihrem...

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Schlaflose Nächte sind blöd

11. Juni 2008 von | Keine Kommentare

Schlaflose Nächte sind blöd

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Mittwoch, den 11. Juni 2008 Die Börsenstimmung hat in den letzten Tagen einen Knacks bekommen. Die Frage ist: Renkt sich das wieder ein oder kann daraus mehr werden? Nun, fundamental sieht es zwar nach wie vor nicht schlecht aus, aber ich traue dem Braten momentan trotzdem nicht. Der Hauptgrund dafür liegt in den Bankaktien: In den USA sind viele von ihnen unter ihre Tiefststände vom März gefallen. Und in Europa hat ihnen das bereits die Deutsche Bank nachgemacht. Dies ist ein Warnsignal erster Güte! Denn der gesamte Markt wird sich nur erholen können, wenn sich auch die Banken erholen. Ein weiteres Indiz: Die so genannten ABX-Indizes – eine Art Gradmesser für die Finanzkrise – sind ebenfalls auf neue Tiefststände gefallen. Was das bedeutet, lesen Sie bitte noch einmal in meiner Kolumne „Wer zuviel Fusel trinkt“ nach. Ob ein neuer Knall in der Finanzbranche bevorsteht, weiß ich nicht. Aber Vorsicht ist auf jeden Fall angebracht. Das heißt: Bankaktien unter verschärfte Beobachtung stellen, DAX und Dow-Jones-Index natürlich auch. Wird der DAX seine Schwächephase deutlich über dem März-Tief von 6.200 Punkten beenden? Das wäre ein gutes Zeichen. Oder wird er noch einmal bis dorthin fallen, um erst danach wieder nach oben zu drehen? Letzteres würde zwar mehr Nerven kosten, wäre aber auch noch okay. Nur wenn die 6.200 Punkte nicht halten sollten, ginge es vermutlich in Richtung 5.000! Und dann wäre auch längerfristig Schaden angerichtet. Denn dann hätten wir eine Situation, in der der Dow Jones seinerseits wahrscheinlich nicht die 11.700 Punkte halten könnte. Das ist aber eine Marke, die er nachhaltig nicht mehr unterschreiten darf, ohne seine guten Perspektiven für die nächsten Jahre zu verspielen. Wie Sie als Anleger mit diesem Szenario umgehen, müssen Sie natürlich selbst entscheiden. Ich meine, dass man momentan sicherheitshalber nicht voll investiert sein muss. Schließlich riet schon Thomas Mann, am Tage mit Lust bei den Geschäften zu sein, aber nur bei solchen, die des Nachts einen ruhigen Schlaf zulassen. Bei den gängigen Alternativen zum Aktienmarkt sieht es unter dem Gesichtspunkt des gesunden Schlafes derzeit ebenfalls nicht besonders gut aus. Anleihen zum Beispiel bieten wegen der Inflationsgefahr ein enormes Rückschlagspotenzial, vor allem bei den lang laufenden Papieren. Und Rohstoffe? Die bieten zwar riesige Chancen, sofern die Preisblase weiter aufgepumpt wird. Ihrer Nachtruhe aber dürften auch sie abträglich sein. Denn auch hier muss man jederzeit mit einem scharfen Preiseinbruch rechnen. Glauben Sie vor allem jenen Bauernfängern nicht, die behaupten, der Rohstoff-Preisanstieg sei nur auf fundamentale Gründe zurückzuführen. Das ist Unsinn. Am Ölmarkt zum Beispiel wird inzwischen jedes Fass, das aus dem Boden kommt, 500- bis 1000-mal gekauft und wieder verkauft, bevor es beim Verbraucher ankommt. Alles fundamentale Geschäfte? Hah ha! Eine gigantische Finanzblase ist das, die auf den realen Markt aufgepfropft ist. Man nennt sie auch Terminmarkt. Ganz große Schlaumeier behaupten sogar Folgendes: Die Spekulation könne mit den Preissprüngen gar nichts zu tun haben, denn diese seien bei denjenigen Rohstoffen am größten, für die es gar keinen Terminmarkt gibt! Das ist dreist. Denn dabei verschweigen sie, dass die großen Finanzjongleure die besten Möglichkeiten haben, auch in diese Märkte einzugreifen. Sie schließen einfach Geschäfte mit fester Lieferverpflichtung für die Zukunft auch außerhalb von Börsen ab. Das nötige Geld als Sicherheit dafür bringen sie selbstverständlich mit. Und damit schaffen sie sich selbst eine Art...

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Little Big Ben

6. März 2008 von | Keine Kommentare

Little Big Ben

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Donnerstag, den 6. März 2008 Wie ein unsicherer Schüler in der mündlichen Prüfung – so wirkte der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke über weite Strecken in seiner jüngsten Anhörung vor dem US-Kongress. Zum Höhepunkt kam es in einem Zwiegespräch mit einem Senator, der dem mächtigsten Banker der Welt sogar Nachhilfe im Rechnen gab: Langsam und eindringlich, als wolle er einem begriffsstutzigen Pennäler auf die Sprünge helfen, ging der Volksvertreter mit Bernanke folgende Rechnung durch: „5,25 – 2,25 = 3. Right?“ „Right“ konnte der so Belehrte nur noch kleinlaut beipflichten. Den Senator hatte es zuvor genervt, dass Bernanke von einer Leitzinssenkung um lediglich 1,25 Prozentpunkte gesprochen hatte, während es seit vergangenem Sommer doch tatsächlich 2,25 Prozentpunkte waren. Ein Missverständnis, wie sich später herausstellte, denn Bernanke hatte nur die Senkungen seit Beginn dieses Jahres gemeint. Trotzdem war diese skurril anmutende Szene symptomatisch. Denn auch an anderen Stellen machte Bernanke im Kongress eine unbeholfene Figur. Vor allem bei den teils bohrenden Fragen zur Inflation und zur Dollarschwäche hatte es den Anschein, als wäre er überfordert. Außer stereotypen Allgemeinplätzen, zum Beispiel, dass die Notenbank Inflation UND Wirtschaftswachstum im Blick haben müsse, hatte er nicht viel zu bieten. Aber der Schein trügt. Bernanke weiß sehr wohl, was er tut. Seine miserable Performance liegt vor allem daran, dass er (noch?) nicht über die schauspielerischen Fähigkeiten seines Vorgängers Alan Greenspan verfügt. Dieser mimte nahezu perfekt die Rolle des souveränen geldpolitischen Gurus, der mit schlau klingenden Formulierungen ebenfalls im Kern nichts aussagte, aber dabei trotzdem überzeugend wirkte. Man vertraute ihm einfach. Außerdem darf Bernanke gar nicht sagen, was ihn wirklich bewegt. Zum Beispiel, dass er nicht die gleichen Fehler machen will, die vor der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre gemacht wurden oder vor der Krise in Japan in den neunziger Jahren. In beiden Fällen hatten die Notenbanken aus Bernankes Sicht zu spät auf das Platzen von Finanzblasen reagiert. Die Folgen waren heftige und lange dauernde Anpassungskrisen, die das gesamte Wirtschaftssystem erfassten. Bernanke handelt deshalb schnell, schneller noch als sein Vorgänger Greenspan in ähnlichen Fällen. Im Grunde ist sein Rezept aber das gleiche: Er versorgt die Banken durch niedrige Zinsen mit billigem Geld, damit sie dieses Geld zu höheren Zinsen wieder ausleihen können. Die Gewinne daraus sollen den Geldhäusern zum Stopfen ihrer Verlustlöcher dienen, die durch riskante Geschäfte in den vergangenen Jahren entstanden sind. So will Bernanke verhindern, dass nach dem Platzen der Blase Großbanken Pleite gehen und eine Spirale nach unten entsteht, die zu einer langen Anpassungskrise führen könnte – mit verheerenden Folgen für die gesamte Wirtschaft. Freilich trägt das Öffnen der Geldschleusen zu neuen Preisblasen bei, was derzeit schon an den Rohstoffmärkten zu beobachten ist. Das weiß Bernanke natürlich. Genauso weiß er, dass dieses Mal davon auch die Verbraucherpreise nicht verschont bleiben dürften. Die Inflation wird also vermutlich weiter angeheizt. Wäre Bernanke offen gewesen, hätte er die Volksvertreter gefragt: Was wollt ihr? Die große Krise JETZT mit allem, was dazu gehört, also auch lange anhaltende hohe Arbeitslosigkeit und zunehmende Armut? Oder wollt ihr stattdessen lieber mehr Inflation in Kauf nehmen? Wenn wir die akute Krise erst einmal im Griff haben, können wir uns um die Inflation später immer noch kümmern. Genau das ist zwar Bernankes Kalkül, er darf so etwas aber niemals öffentlich zugeben. Ein Notenbanker, der bewusst Inflation als „kleineres Übel“...

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Ritze ratze rufgeschädigt

11. Februar 2008 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am 11. Februar 2008 Es ist schon bezeichnend, wie die Ratingagenturen ihre Schuld an der Kreditkrise herunterzuspielen versuchen. Sie sind gewiss nicht alleine verantwortlich für die Misere, aber ohne sie wäre es nie so weit gekommen. Das steht fest. Denn sie waren es, die einer Kreditpapiermasse, die aus Mist gewonnen wurde, das Prädikat „Gold“ verliehen. Erst durch Ihr AAA-Rating wurden strukturierte Kreditpapierezu dem Verkaufsschlager, der sich rund um die Welt an den Mann bringen ließ. Klar, die Sparkassenonkels, die Landes- und IKB-Banker hätten nicht darauf hereinfallen müssen, sie hätten einfach besser hinsehen können. Aber wozu noch genau hinsehen, wenn doch groß und deutlich „AAA“ draufsteht? Wozu hat man schließlich die Rating-Experten? Wenn sie das geprüft haben, wird man sich doch darauf verlassen können! So mag manch einer der Reingefallenen gedacht haben, und irgendwo ist das sogar nachvollziehbar. Denn wer liest schon das Kleingedruckte? Etwa auf Seite 361ff des Emissionsprospekts, der in der Regel mehr als 500 Seiten stark ist? Da steht dann nämlich, dass dieses „AAA“ nicht vergleichbar ist mit einem „AAA“, das zum Beispiel ein Unternehmen oder ein Staat bekommt. Denn diese Schuldner werden in der Regel auf Herz und Nieren geprüft, bevor sie ihr Prädikat erhalten. Bei den strukturierten Kreditpapieren wurde aber niemand geprüft. Hier haben sich die Ratingagenturen lediglich auf pauschale Angaben der Banken gestützt. Kaum ein Schuldner ist jemals in Augenschein genommen worden. Warum auch? Anhand statistischer Ausfallwahrscheinlichkeiten lassen sich Prädikatsnoten ja auch so vergeben. Angesichts dieser Vorkommnisse ist es geradezu putzig, wie sich die Bonitätsprüfer jetzt zu rechtfertigen versuchen, etwa die von Standard & Poor ́s: Die Daten, die man von den kreditgebenden Banken erhalten habe, seien „teilweise wenig verlässlich“ gewesen. So so. Außerdem hätten sich die in den Bewertungsmodellen angesetzten Korrelationen über die einzelnen Risikokomponenten im amerikanischen Hypothekenmarkt zum Teil als unzutreffend erwiesen. Im Klartext: Wir haben wenig verlässliche Daten in Modellen weiter verarbeitet, die unzutreffend waren. Und dafür wurden dann Prädikatsnoten vergeben, auf die sich alle verlassen haben. Bravo! Da braucht man sich nicht zu wundern, dass Politiker, Aufseher und Anleger jetzt – ritze ratze – am Thron der Agenturen sägen. Der Ausblick für ihren Ruf dürfte bis auf Weiteres negativ bleiben, meint Ihr Raimund Brichta Quelle:...

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