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Kolumnen

Hier stehen alle Kolumnen und Kommentare von Raimund Brichta in der Reihenfolge ihres Erscheinens.

Durch die Börsenhintertür

16. März 2009 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Montag, den 16. März 2009 Die Hedgefonds sind gegangen, und keiner hat’s gemerkt. Atticus und TCI, letzterer ist bekannt geworden durch seinen hartnäckigen Boss Chris Hohn, sollen sich heimlich still und leise als Aktionäre der Deutschen Börse verabschiedet haben. Zumindest schreibt die Wirtschaftswoche, sie hätten „einen großen Teil“ ihres „Aktienrisikos“ schon im vergangenen Jahr abgegeben. An dieser Formulierung merkt man schon, dass es sich dabei nicht um einen einfachen Aktienverkauf gehandelt haben kann. Offiziell halten beide Fonds auch noch immer ihren Anteil von zusammen gut 19 Prozent. Aber schließlich machen es Finanzinstrumente, die aus Aktienkursen abgeleitet werden, möglich, dass man sich wirtschaftlich von seinen Aktien trennt, ohne dies auch tatsächlich tun zu müssen. Der Hintergrund dafür scheint klar: Man möchte Meldepflichten umgehen, um für seine Papiere einen möglichst guten Preis zu bekommen. Denn wenn erst einmal bekannt wird, dass Großaktionäre aussteigen, kann dies die Talfahrt des Kurses noch beschleunigen. Allerdings sind solche Meldepflichten genau dafür geschaffen worden, dass sich das breite Anlegerpublikum über wesentliche Beteiligungsänderungen informieren kann – und zwar sowohl beim Einstieg als auch beim Ausstieg. Wenn jeder, der es etwas geschickter anstellt, diese Pflichten umgehen kann, machen sie keinen Sinn mehr. Also sollte man entweder versuchen, sie auf solche abgeleiteten Geschäfte auszuweiten, oder gleich in den Papierkorb werfen, meint Ihr Raimund Brichta Quelle:...

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Volksverdummungs-Kommission

11. Februar 2009 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Mittwoch, den 11. Februar 2009 Wenn sich Politiker selbst mit Lob überhäufen, sollte man besonders misstrauisch werden. Ein Beispiel liefert die so genannte Föderalismuskommission, die sich gerade auf eine „verfassungsrechtliche Verschuldungsbremse“ geeinigt hat, für die sie sich landauf, landab feiern lässt. Was wir aber eher brauchen, ist eine verfassungsrechtliche Verdummungsbremse – ein Verbot, dem Wahlvolk Märchen aufzutischen und diese als realistische Vorhaben zu verkaufen. Jedes Kind hat das Recht, irgendwann die Wahrheit über Weihnachtsmann, Osterhase oder Klapperstorch zu erfahren. Und jetzt ist es an der Zeit, dass sich alle, die darüber bereits Bescheid wissen, über das Schuldenmärchen aufklären lassen. Im Klartext: Eher bringt uns der Klapperstorch ein Menschenbaby genau an jenem Tage, an dem Weihnachten und Ostern zusammenfallen, als dass der Staat mit dem Schuldenmachen aufhört. Staatsschulden werden niemals zurückgezahlt. Im Gegenteil: Sie wachsen immer weiter. Sie MÜSSEN sogar wachsen, damit unser Geldsystem überhaupt funktioniert. Der Staat kann also gar nicht mit dem Schuldenmachen aufhören, selbst wenn er dies wollte. Dahinter steckt der einfache Zusammenhang, dass es ohne Schulden auch kein Geld gäbe. Geld kommt nur dadurch auf die Welt, dass jemand Schulden bei der Bank macht. Und es geht wieder von der Welt, wenn dieser Jemand seine Schulden tilgt. Geld und Schuld sind also zwei Seiten derselben Medaille. Mehr darüber in meinem Beitrag „Beim Geld geht es um die Wurst“. Immer wenn ein Bankkredit zurückgezahlt wird, schrumpft die Menge an vorhandenem Geld. Um dies wieder auszugleichen, muss ein neuer Kredit aufgenommen werden. Um genau zu sein, müssen sogar mehr neue Schulden gemacht als alte getilgt werden, weil auch noch die Zinsen für die Kredite zu zahlen sind. Schon allein aus diesem Grund MÜSSEN Geld- und Schuldenmengen stetig wachsen. Da gibt es keinen Ausweg. Würde der Staat etwa seine Schulden tilgen, würde er damit Geld vernichten, das dann an allen Ecken und Enden fehlen würde. Die Wirtschaft bräche zusammen. Wer sich diesen einfachen Zusammenhang klar macht, wird nicht länger darüber schwadronieren, der Staat müsse seine Schulden irgendwann zurückzahlen. Er weiß einfach, dass dies nicht geschehen wird, ja dass es gar nicht geschehen KANN. Aber warum versuchen Politiker dann trotzdem, uns dieses Märchen zu erzählen? Und warum basteln sie aus gerechnet jetzt an einer Schuldenbremse im Grundgesetz? Vermutlich, weil das Volk gerade jetzt ahnt, an der Geschichte könnte etwas faul sein. Der Klapperstorch soll also in die Verfassung, damit wieder mehr Leute an ihn glauben. Sein Kommen wird ohnehin erst für eine Zeit versprochen, in der die meisten der jetzt Regierenden nicht mehr regieren werden. Ihre Nachfolger können das Märchenbuch dann ja wieder umschreiben, das Versprechen der Storchenankunft also weiter in die Zukunft verschieben. Gründe dafür finden sich immer. Es könnte zum Beispiel plötzlich „unvorhersehbar“ viel Geld gebraucht werden, um die Renten- und Krankenversicherung zu retten. Warten wir’s ab. Jedenfalls habe ich jetzt Lust bekommen, mir mal wieder einen alten Schinken anzugucken: „? denn sie wissen nicht, was sie tun“. Ciao, ich bin dann mal in der Videothek! Ihr Raimund Brichta Quelle:...

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Ziel 6000 plus

6. Januar 2009 von | Keine Kommentare

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Dienstag, 6. Januar 2009 Wie weit kann sich der Dax noch erholen? Die Antwort darauf ist eindeutig: Er hat Platz bis in den Bereich 6000 bis 6200 Punkte. Das war die Unterstützungszone, die er in der Panik vom vergangenen Oktober durchbrochen hatte. Und es wäre durchaus normal, wenn er diese Zone wieder erreichen würde. Nicht sofort und in einem Rutsch, aber noch im Lauf dieses Jahres. Demnach hat der Dax also 20 bis 25 Prozent Potential! Und danach? Nun, langfristig ist im vergangenen Jahr leider zu viel Porzellan zerschlagen worden, als dass man jetzt schon sagen könnte, das letzte Tief bei etwa 4000 Punkten wäre das tiefste in diesem Bärenmarkt gewesen. Im Moment ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass dieses Tief später noch einmal getestet und unter Umständen sogar UNTERBOTEN wird. Werfen Sie einfach mal einen Blick auf einen ganz langfristigen Dax-Chart. Was Sie dabei sehen werden, ist furchteinflößend: zwei Spitzen bei rund 8000 Punkten – eine im Jahr 2000 und eine im Jahr 2007. Warum ist das furchteinflößend? Weil solche Doppel-Spitzen die unangenehme Eigenschaft haben, wahrhaft garstige Börsensignale zu sein. Signale dafür nämlich, dass die Talsohle ZWISCHEN den beiden Spitzen noch einmal erreicht wird. Und diese Talsohle lag bekanntlich bei 2200 Punkten! Natürlich liefern solche Signale keine hundert Prozent sicheren Hinweise auf das, was tatsächlich folgen wird. Unsere Zukunft ist schließlich immer mit Unsicherheit behaftet. Aber immerhin lassen sie Aussagen über Wahrscheinlichkeiten zu: Da die Signale in der Vergangenheit in deutlich mehr als 50 Prozent der Fälle richtige Hinweise gegeben haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie wieder funktionieren, ebenfalls mit deutlich über 50 Prozent anzusetzen. In jedem Fall kann es also nicht schaden, spätestens dann vorsichtiger zu werden, wenn meine Zielzone „6000 plus“ erreicht sein wird, und dann das Feld jenen zu überlassen, die bis dahin schon wieder gierig geworden sein dürften. Gewinne sichern und abwarten, könnte dann die Devise sein. Mit dieser Erwartung stehe ich – soweit ich es überblicke – im Gegensatz zur Mehrheit der Anlageprofis, die erst einen weiteren Rückschlag in Richtung 4000 Punkte (oder darunter) vorhersagt, bevor es wieder besser werden könnte. Aber sich auf etwas anderes festlegen, als es die Mehrheit tut, muss ja nicht immer falsch sein. Apropos festlegen: Nur wer sich festlegt, kann daneben liegen. Mit diesen Worten hatte ich meine Dax-Prognose vor einem Jahr garniert – und ich hatte mich festgelegt: auf ein Dax-Plus von 10 bis 15 Prozent im Lauf des Jahres 2008. Nachdem ich in den drei Jahren davor mit meinen Prognosen ins Schwarze getroffen hatte (sogar jeweils punktgenau), lag ich diesmal also gründlich daneben. Und dies, obwohl sich ein anderer Teil meiner Erwartung hundertprozentig erfüllte: Dass nämlich US-Notenbankboss Ben Bernanke den Leitzins so tief schrauben und die Geldschleusen so weit öffnen würde, wie sich das vor einem Jahr noch kaum jemand vorstellen konnte. Nur haben die Aktienmärkte diese Geldschwemme nicht so umgesetzt, wie ich das damals erwartet hatte. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, die ich hier nicht im Einzelnen erläutern will. Daneben ist daneben. Punkt. Wichtig ist nur, dass man nicht trotzig an seinen Erwartungen festhält, sondern dass man sie stets mit der Wirklichkeit abgleicht und auch anpasst, sobald neue Informationen vorliegen. Solche Informationen lagen schon ab Mitte/Ende Januar vor, und meine Erwartungen habe ich deshalb angepasst. Allerdings hätte es...

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Liebe Angela Merkel!

6. Oktober 2008 von | Keine Kommentare

Liebe Angela Merkel!

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Montag, den 6. Oktober 2008 Liebe Angeka Merkel! Die Finanzkrise hält Sie und Ihre Experten ganz schön in Atem. In Anbetracht der ernsten Lage möchte ich Ihnen heute einen Vorschlag machen, der über die kurzfristige Lösung der aktuellen Probleme weit hinausgeht. Denn egal, was Ihnen Ihre Experten auch raten, mit all ihren Ideen können nur die SYMPTOME behandelt werden und nicht die URSACHE. Der Volksmund sagt, ein Problem müsse man an der Wurzel packen. Und das trifft es sehr genau. Wenn Ihre Topfpflanze trockene Blätter bekommt, nutzt es wenig, die Symptome zu bekämpfen und jedes Blatt einzeln zu befeuchten. Stattdessen gießen Sie an der Wurzel. Genau das sollten Sie auch in diesem Fall tun. Zugegeben: An den Blättern Ihrer Pflanze ist das Grundübel um ein Vielfaches einfacher zu erkennen und zu beheben als an den Symptomen, die Sie zurzeit in der Finanzwelt beobachten können. Trotzdem muss die Vorgehensweise die gleiche sein, nämlich der Sache auf den Grund zu gehen. Gerade Sie als Physikerin dürften dies gewohnt sein. Unzählige Erfindungen wären nie gemacht worden, wenn nicht intelligente Menschen den Dingen auf den Grund gegangen wären. Diese Leute haben zum Beispiel darüber nachgedacht, wie Licht oder Wärme entstehen und welche Eigenschaften sie haben. Haben Sie sich, liebe Frau Merkel, aber schon einmal gefragt, wie GELD entsteht und welche Eigenschaften es hat? Und wenn Sie sich diese Fragen – wie die große Mehrheit der Bevölkerung – noch nie gestellt haben, warum eigentlich nicht? Gerade, wenn Sie Antworten auf diese Fragen suchen, kommen Sie nämlich der Wurzel des Übels ein gutes Stück näher. Nun sind Sie natürlich Physikerin und Politikerin und können nicht überall Expertin sein – das ist klar. Aber fragen Sie doch bitte einmal Ihre Fachleute – den Finanzminister zum Beispiel oder den Bundesbank-Präsidenten. Wissen diese Herren, wie es funktioniert? Und können sie es Ihnen auch erklären? Zur Vorbereitung auf das Gespräch können Sie sich schon einmal den Artikel „Beim Geld geht es um die Wurst“ durchlesen (http://ow.ly/3v4gRx), damit Sie den Herren dann auch die richtigen Fragen stellen können: Darin erfahren Sie, dass unser Geld ausschließlich von Geschäftsbanken, Sparkassen und Notenbanken gemacht wird, indem diese Kredite vergeben. Das heißt, die gesamte umlaufende Menge an Geld hängt nur vom Volumen an existierenden Bankkrediten ab. Ohne Kredite gibt es kein Geld. Sie können sich das wie zwei nebeneinander liegende Swimming-Pools vorstellen, die miteinander verbunden sind: in dem einen die Kredite, in dem anderen das Geld. Beide sind zunächst leer. Und erst, wenn in den einen Pool der erste Kredit hineinkommt, fließt in den anderen automatisch die gleiche Summe an Geld. Wird dieser Kredit später getilgt, muss die gesamte Summe aus dem Geldpool wieder herausfließen. Aber dann wäre der Pool ja leer, und es wäre nichts mehr da, mit dem man sich beim Bäcker noch ein Brot kaufen könnte – oder eine Maschine beim Fabrikanten, um damit eine Brücke zu bauen. Folglich müssen in den ersten Pool, den Kredit-Pool, immer wieder neue Schulden hineinkommen, damit im anderen Pool genügend Geld da ist, um sowohl die fälligen Kredite zu tilgen als auch gleichzeitig die Wirtschaft am Laufen zu halten (Brot, Maschinen etc.). Wenn nun besonders viele Kredite aufgenommen wurden, wie in den vergangenen Jahren, hat das zur Folge, dass auch wieder besonders viele neue Kredite aufgenommen werden müssen, wenn...

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WaMu ist überall

29. September 2008 von | Keine Kommentare

WaMu ist überall

Kolumne von Raimund Brichta, erschienen am Montag, den 29. September 2008 Die größte Bankenpleite in den USA bringt eine Schwäche ans Licht, unter der ALLE Banken und Sparkassen leiden – auch bei uns. Denn sie alle geben ein Versprechen, das sie niemals halten können. Das Versprechen nämlich, jeder Kunde könne seine Einlage nicht nur halten, sondern darüber auch frei verfügen, indem er das Geld entweder abhebt oder überweist. Washington Mutual – kurz WaMu – beweist das Gegenteil. Die größte Sparkasse der Vereinigten Staaten ist nämlich allein dadurch zusammengebrochen, dass Sie von immer mehr Kunden beim Wort genommen wurde. Sie haben Ihr Geld einfach abgehoben oder überwiesen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – nur nicht, wenn es plötzlich mehr Leute tun, als dies in normalen Zeiten der Fall ist. Die amerikanische Sparkassenaufsicht brachte es auf den Punkt: WaMu sei das Geld ausgegangen, weil die Kunden in den letzten Wochen NEUN PROZENT ihrer Einlagen abgezogen hätten. Sie haben richtig gelesen: nicht neunzig, sondern neun Prozent! Es reicht also schon, ein Geldhaus zu Fall zu bringen, wenn mit neun Prozent der Einlagen das getan wird, was jedem Kunden zusteht und was eigentlich selbstverständlich ist. Man könnte jetzt vermuten, das läge vielleicht nur an der Leichtsinnigkeit amerikanischer Banker und ihrem Hang zu übermäßigem Risiko. In diesem Punkt stimmt das aber leider nicht. Denn im Prinzip kann JEDES private Geldhaus der Welt mit Geldabzügen in ähnlicher Größenordung zu Fall gebracht werden – beim einen wäre vielleicht etwas mehr nötig, beim anderen dafür etwas weniger. Genau darin offenbart sich eine grundlegende Schwäche unseres Bankensystems, eine Achillesferse, die in einer wirklich großen Krise der Anstoß zum Einsturz sein könnte. Auch wenn dieser Einsturz nicht unmittelbar bevorstehen mag, kann es nicht schaden, zurzeit besonders gut auf sein Geld aufzupassen, meint Ihr Raimund Brichta Quelle:...

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