Categories Menu

Goldman und die CDO’s

16. April 2010 von in | Keine Kommentare

Erschienen am Freitag, 16. April 2010

Goldman Sachs soll Kunden mit sogenannten CDOs betrogen haben. Telebörse-Moderator Raimund Brichta erklärt, wie das Spiel mit diesen Finanzkonstrukten funktioniert.

Was Jesus konnte, konnten Banken und Ratingagenturen eine Zeitlang auch – sie verwandelten Wasser in Wein. Das Prinzip funktionierte so: Zuerst suchten die Banken nach Krediten von weniger zahlungskräftigen Schuldnern, kauften sie zu Tausenden auf und schütteten sie in einen großen Pool. Nachdem dieser nun mit solchen minderwertigen Krediten angefüllt war, wurden Anrechte an diesem Pool weiterverkauft, und zwar in verschiedenen Schichten. Den Käufern der obersten Schicht wurde gesagt: „Zahlungen, die von den Schuldnern aus dem Pool kommen, gehen zuerst an Euch.“ Erst wenn die oberste Schicht vollständig befriedigt war, kam die nächste Schicht an die Reihe. Und so ging es weiter bis zu den Käufern der untersten Schicht, die ihr Geld als Letzte bekamen.

Die Ausfallwahrscheinlichkeit jeder einzelnen Schicht wurde von Ratingagenturen nach komplizierten mathematischen Modellen berechnet. Am Ende stand aber – und das war für die Anleger entscheidend – eine Note für jede Schicht. Nach diesen Noten trafen die Käufer ihre Entscheidungen. Das Wunderbare dabei war, dass die oberste Schicht mit der Bestnote „sehr gut“ oft mehr als die Hälfte des ganzen Pool-Inhalts ausmachte. Und das, obwohl der Pool nur aus Krediten minderwertiger Qualität bestand, die, hätte man sie einzeln bewertet, in den meisten Fällen nur ein „mangelhaft“ bekommen hätten. So machten Banker und Ratingagenturen aus Wasser Wein und produzierten dabei sogar zahlreiche edle Prädikatstropfen.
Aber es kam noch besser: Die unteren Schichten aus dem Pool, also die mit den schlechteren Noten, verkaufte man oft gar nicht an Anleger, sondern goss sie in ein weiteres Bassin. Dieses Becken füllte man dann mit den unteren Schichten anderer, ähnlicher Pools auf. Und aus all diesen minderwertigen Flüssigkeiten entstand – nach demselben Prinzip wie oben – wieder ein Gemisch, dessen Oberschicht von den Ratingagenturen Bestnoten erhielt und deshalb von den Investmentbanken als Prädikatserzeugnis verkauft werden konnte.

Das war mehr, als Jesus vollbringen konnte. Denn damit wurde aus Abwasser Champagner gemacht! Und dieses Gemisch war es, das den Namen CDO für „Collateralized Debt Obligation“ bekam. Das Ganze ging so lange gut, wie sich die Ausfallraten der zugrunde liegenden Kredite im normalen Rahmen der statistischen Wahrscheinlichkeiten bewegten. Als sich aber die Zahlungsschwierigkeiten solcher Leute ungewöhnlich häuften, wurde das, was anfangs als „feines Tröpfchen“ daherkam, schnell zur übelriechenden Brühe.

Quelle:

http://www.n-tv.de/deleteMe/migration/Goldman-und-die-CDOs-article828419.html

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

wp-puzzle.com logo