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„Ein gutes Einstiegsbuch“

1. September 2014 von in Allgemein | 4 Kommentare

„Der Monetarian“ schreibt in seiner Rezension bei Amazon:

„Inhaltlich hat das Buch zwar an der einen oder anderen Stelle zwar ein Schwächen und Ungenauigkeiten. Nichts desto trotz dennoch ein gutes, weil einfach und verständlich geschriebenes Einstiegsbuch in gewichtige Problematiken unseres Geld- und Finanzsystems.

Was die Schwächen des Buches angeht, so liegen diese vor allem in den Ausführungen zu Inflation und Deflation. Hier basiert das Buch noch zu sehr an Ausführungen seitens der orthodoxen Mainstream-Ökonomie.“

http://ow.ly/AWYe0

4 Kommentare

  1. Einspruch, lieber Monetarian, denn gerade in Fragen von Inflation und Deflation sind wir weitab von jeglicher Mainstream-Ökonomie. Während diese mit Inflation ein ständig steigendes allgemeines Preisniveau meint, definieren wir sie nach ihrer ursprünglichen, rein monetären Bedeutung: Als Aufblähen der Geldmengen.

    Sofern Sie also darauf abzielen, wenn Sie von „Schwächen“ und „Ungenauigkeiten“ sprechen, zielen Sie ins Leere. Sofern Sie auf etwas anderes abzielen, bitte ich Sie zu konkretisieren, was Sie meinen.

    Herzlicher Gruß
    Raimund Brichta

  2. Hallo Herr Brichta,
    hier nun eine etwas ausführlichere Erläuterung zu meiner Kritik bzw. Rezension zu Ihrem Buch auf Amazon:

    Aussagen R.Brichta/A. Voglmaier in „Die Wahrheit über Geld“:

    Seite 86: „Weil es so leicht ist, Geld aus dem Nichts zu produzieren, wird auf lange Sicht stets viel mehr davon in Umlauf gebracht, als nötig wäre, um die Wirtschaftstätigkeit in Gang zu halten. Motor der Geldproduktion sind im Konjunkturaufschwung vor allem die Geschäftsbanken. In dieser Zeit vergeben sie nämlich sehr freizügig Kredite (…). Im Abschwung werden sie dann jedoch knauseriger.

    Ich denke, hier wäre es sinnvoll, genauer zwischen den beiden Geld- bzw. Kreditkreisläufen zu unterscheiden. Tatsächlich Geld aus dem Nichts produzieren. kann im Grunde nur die Zentralbank. Sie druckt einfach Geldscheine. Das nützt ihr aber im Wesentlichen nichts, denn Sie benötigt eine Geschäftsbank, die sich gegen Verpfändung oder Übereignung von Sicherheiten dieses „frisch geschöpfte Geld“ leiht. Nur dann kommt es in Umlauf bzw. in den Wirtschaftskreislauf. Und zwar dann, wenn eine Nicht-Bank sich Geld bei einer Geschäftsbank leiht, um sich mit dem Geld etwas zu kaufen. Den Kredit kann eine Geschäftsbank zwar per Bilanzverlängerung als Giralgeld einfach erzeugen, sie muss das Giralgeld aber letztlich, egal ob es bar abgehoben wird oder an eine andere Bank überwiesen wird, immer mit Zentralbankgeld decken bzw. unterlegen.

    Im Ergebnis, und ich denke das ist sehr wichtig, steht am Anfang der Geldschöpfung also immer eine Nicht-Bank, die sich Geld bei einer Geschäftsbank leiht. Also einen Kredit aufnimmt. Den vergibt die Bank aber nicht einfach so, sondern auf Grund einer Kreditprüfung, inklusive Verpfändung von Kreditsicherheiten seitens Kreditnehmers sowie Besicherung durch bankeigenes Eigenkapital. Das heißt, ohne verschuldungswilligen und solventen Kreditnehmer kann eine Geschäftsbank kein Geld schöpfen. Schon gar nicht aus dem Nichts. Genau das ist ja aktuell das Problem. Wir haben zu wenig Schuldner, die sich Geld leihen. Warum auch immer. Es gibt dafür eine Vielzahl von Gründen. Die Banken saugen sich zwar mit Geld voll. Dieses fließt aber nicht in die Realwirtschaft, sondern in die Finanzmärkte. Das heißt, im ersten Geldkreislauf (ZB und GBs) haben wir Inflation (Steigende Geldmenge, Kreditschwemme). Im Zweiten hingegen (GBs und Realwirtschaft) eine Deflation (Sinkende Geldmenge, Kreditklemme).

    Seite 86: „Unterstützt werden die Notenbanken im Abschwung von den Regierungen, die nun ebenfalls verstärkt zur Geldvermehrung beitragen, indem sie noch mehr Schulden machen als ohnehin schon üblich.“

    Hier müsste man m.E. ebenfalls sauberer differenzieren. Der größte Teil dessen, was der Staat sich als Geld leiht, um es investiv oder konsumtiv auszugeben, entstammt meines Wissens nach NICHT der Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken, sondern es handelt sich dabei um die Ersparnisse der privaten Haushalte, denn mit diesen Ersparnissen werden vorwiegend die Staatsanleihen gekauft. Und das ist im Grunde richtig und wichtig, denn der Staat leiht sich dieses Geld ja nicht aus Jux und Dollerei oder um es in seine Schatzschatulle zu legen. Nein, er gibt es in der Wirtschaft aus. Das heißt, der Staat tilgt damit die Nachfrageschulden, die die Sparer selbst nicht tilgen wollten, da sie lieber Ersparnisse aufbauen wollen als das Geld in der Wirtschaft auszugeben. Täte das der Staat nicht, würde es logischerweise das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. Und wenn unser gegenwärtiges System etwas benötigt, dann es ist es Wirtschaftswachstum. Im gegenwärtigen System muss die Verschuldung – und damit die Geldmenge – zwangsläufig immer weiter anwachsen. Schulden muss man sich aber bekanntlich leisten können. Schulden müssen gedeckt sein. Durch mehr Sicherheiten. Also durch Wirtschaftswachstum.

    Seite 86-87: „In keiner Phase wird Geld in nennenswerten Umfang wieder netto vernichtet. Im Ergebnis steigt die Geldmenge immer weiter und schrumpft so gut wie nie – selbst nach starken Übertreibungen nicht. Ein Schrumpfen ist auch das, was Regierungen und Notenbanken unbedingt verhindern wollen (…). Bei näherem Hinsehen wären die Risiken und Nebenwirkungen eines solchen Schrumpfens allerdings fatal, denn die bestehende Geldmenge ist heutzutage immer an eine entsprechend hohe Schuldenmenge gekoppelt (ohne Schuld gibt es ja kein Geld). Da Schulden aber regelmäßig bedient werden müssen – das heißt, es sind stets Zins- und Tilgungszahlungen zu leisten – muss auch immer ausreichend Geld dafür vorhanden sein. Und hierin liegt das Problem, denn diejenigen, die Geld besitzen, sind sehr oft nicht identisch mit denjenigen, die Geld schulden. Ein großer Teil des Geldes steht für Zins- und Tilgungszahlungen also gar nicht zur Verfügung, weil es Leuten gehört, die solche Zahlungen überhaupt nicht leisten müssen. Die Folge: Zusätzlich zum bestehenden Geld muss andauernd neues Geld geschaffen werden, damit immer genügend vorhanden ist, um die fälligen Zahlungen nicht an Geldmangel scheitern zu lassen. Wenn die Geldmenge dagegen über längere Zeit schrumpft, gibt es immer mehr Schuldner, die wiederum neue Pleiten hervorrufen, weil dadurch andere Schuldner in die Bredouille kommen.“

    Hier stimme ich Ihnen absolut zu. Und das führt mich dann auch zu dem Punkt, wonach m.E. ihre Ausführungen zu Inflation und Deflation zu sehr an der orthodoxen Mainstream-Ökonomie orientiert sind, was Sie – verständlicherweise, da Sie ja Inflation nicht mit Teuerung gleichsetzen, verwunderte. Schauen wir uns zunächst einmal Ihre Ausführungen dazu an.

    ZUM THEMA INFLATION:
    Seite 142: „Denn „inflatio“ bedeutet im Lateinischen „das Aufblähen“. (…) Die meisten Volkswirte übersetzen Inflation dagegen mit „anhaltenden Preisanstieg“, (…). Zum Glück gibt es aber eine kleine Minderheit unter den Ökonomen, die offensichtlich in Latein aufgepasst hat. Diese Gruppe definiert Inflation ganz anders: als ein Aufblähen der Geldmenge im Vergleich zur Menge an Gütern und Dienstleistungen, die produziert und erbracht werden.“ (…) – eine aufgeblähte Geldmenge ist nämlich immer die Voraussetzung dafür, dass es überhaupt zu einem anhaltenden allgemeinen Preisanstieg kommen kann. Die Inflation, und zwar der Geldmenge, ist also immer die Ursache – der Preisanstieg ist immer nur eine mögliche Wirkung.“

    Auch wenn Sie hier nicht der üblichen Regelung folgen, wonach Inflation gleich Teuerung wäre, basieren Ihre Aussagen dennoch auf einem zentralen, orthodoxen Dogma der Mainstream-Ökonomie: Der Quantitätstheorie des Geldes. Genauer folgen Sie hier den quantitätstheoretischen Ausführungen und Überlegungen von Ludwig von Mises bzw. der Österreichischen Schule der Nationalökonomie (Austrian Economics). Im Ergebnis folgen Sie damit einem weiteren wichtigen Dogma der orthodoxen Mainstream-Ökonomie. Nämlich dem, das es – mehr oder weniger – einen direkten Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau gibt. Den gibt es aber überhaupt nicht bzw. wenn überhaupt, nur in einer ganz bestimmten Situation: Die Volkswirtschaft insgesamt produziert bereits am Produktionspotential und die zusätzliche Geldmenge führt nun zu einer zusätzlichen Nachfrage oberhalb der vorhandenen Kapazitäten. Dann kann das zusätzliche Geld Preissteigerungen verursachen. Sonst nicht.

    Wäre es so, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau gäbe, dann wäre dies – platt formuliert – gleichbedeutend mit der Tatsache, dass Unternehmen ihre Preise nicht anhand der Kosten kalkulieren, sondern anhand der Geldmenge. Mir ist aber kein Unternehmer bekannt, der das so tut.

    Es stellt sich also die überaus wichtige Frage: Warum steigen oder fallen Preise? Was sind hierfür die Gründe? Die Geldmenge ist hierfür, auch entstehungsbedingt, vorsichtig formuliert, nur ein sehr unbedeutender Faktor.

    Ergo, auch wenn Sie nicht Inflation mit Preisanstieg gleichsetzen, sondern den Umweg über die Geldentwertung nehmen, so folgen Sie dennoch dem zentralen Dogma, wonach es einen direkten Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau gibt. Auch wenn Sie dem Umweg über die Geldentwertung nehmen, welche aber nur die Kehrseite eines Preisanstiegs darstellt. Von daher kommen Sie auf Seite 143 auch zu folgender Aussage: „In Deutschland und den USA zum Beispiel sind die Geldmengen in den zurückliegenden Jahrzehnten um durchschnittlich sechs bis sieben Prozent pro Jahr gewachsen. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum war aber nicht einmal halb so hoch. In der Differenz spiegelt sich die Aufblähung der Geldmenge wider – also die Inflation.“

    In meinem Buch „Geld(r)evolution“ habe ich dies im Grunde auch noch so vertreten. Mittlerweile halte ich dies aber für unzutreffend. Warum will ich im Folgenden versuchen zu skizzieren.

    Welche Geldmenge sollte denn hier als kaufkraftrelevante Geldmenge, die mit einer bestimmten Umlaufgeschwindigkeit in der Wirtschaft zirkuliert, gemeint sein? Ich denke, wir sind uns einig, dass Geld durch Kreditaufnahme entsteht und infolgedessen durch Kredittilgung wieder vergeht. Nun werden aber doch tagtäglich an irgendeiner Stelle der Volkswirtschaft Kredite aufgenommen und anderer Stelle laufende Kredite (ratierlich) wieder getilgt. Selbst eine Kontoüberziehung oder das Zücken der Kreditkarte stellen ja eine Kreditaufnahme, also Geldschöpfung dar. Zu keinem Zeitpunkt lässt sich folglich objektiv, reliabel und valide eine Geldmenge messen. Geschweige denn deren Umlaufgeschwindigkeit. Und selbst wenn man es könnte, wäre sie im nächsten Moment schon durch neue Kreditaufnahme und laufender Kredittilgung wieder eine andere. In der Realität wird da auch nichts gemessen, sondern die Geldmenge und die Umlaufgeschwindigkeit werden durch Umformung der Quantitätsgleichung berechnet. Dabei handelt es sich bei der Quantitätsgleichung lediglich um eine sinnlose Tautologie. Man lese sie mal von rechts nach links, statt links nach rechts. Im Ergebnis steht da eigentlich nur Geld = Geld, denn nichts anderes ist M x V und P x Y.

    Wir sehen, auch der quantitätstheoretische Ansatz der Austrians (Inflation = Ausweitung der Geldmenge, was im Falle einer gleichbleibenden Gütermenge Geldentwertung verursacht), führt letztlich gedanklich ins Nirwana. Inflation bedeutet eine Ausweitung der Geldmenge durch „Drucken“ und in Umlauf bringen von zusätzlichem Geld. Aber! Eine steigende „Geldmenge“ kann sich hieraus nur ergeben, wenn die laufende Neuverschuldung OBERHALB der laufenden Kredittilgung liegt. Also eine positive Netto-Kreditaufnahme vorliegt. Nur dann steigt die Geldmenge. Es wäre also eigentlich zu untersuchen, wer leiht sich zusätzlich Geld und wofür wird dieses Geld (der Kredit) verwendet? In welche Märkte fließt er und wie sind dort die aktuellen Marktbedingungen? Je nach Marktbedingung kann es in einzelnen Bereichen zu Preissteigerungen kommen. Keine Frage, aber das ist nicht der Kern der Geschichte. Vor allem aber nicht der Kern des letztlich dahinter liegenden Schwindels. Wie dem auch sei, Kernfrage bleibt: Warum steigen oder fallen Preise? Dafür gibt es einige Gründe. In der Realität sind es vor allem die Kosten eines Unternehmen, die deren Preise bestimmen, aber auch deren Profitgier. Erst Recht in einer Marktsituation, die einem Unternehmen auf Grund Marketing und Werbung erhebliche Preissetzungsspielräume ermöglicht. (Man denke hier z.B. an Apple und seine Produkte). Bei den Kosten spielen wiederum viele Faktoren eine Rolle. Auch und insbesondere die Löhne bzw. die Lohnstückkosten. Das erklärt dann auch – zumindest recht weitgehend – die aktuell niedrige Inflationsrate (Teuerung) im Euro-Raum.

    Was ist nun aber der zentrale Schwindel am von der Mainstream-Ökonomie behände gepredigten Zusammenhang zwischen Geldmenge und dem Preisniveau? Es gibt hier im Wesentlichen zwei Dinge, warum man dies behauptet:

    (a) Gemäß der neoklassischen Theorie der Unternehmung (=> Polypol) haben die Unternehmen bekanntlich keine Preissetzungsmacht, sondern sind reine Mengenanpasser. Dieser Zusammenhang ist wichtig, ist er doch eine wesentliche Basis für die angeblichen Segnungen des Preismechanismus. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Den Selbstheilungskräften des Marktes. Nicht die Unternehmen setzen den Preis, nein die göttliche Deus ex machina (Invisible Hand) ist es.

    (b) Nur so lässt sich die Tatsache vertuschen, dass in Wahrheit Krisen und Rezessionen geldpolitisch verursacht sind. Es geht bei der Geldpolitik nämlich nicht um irgendeine Geldmenge. Es geht um Kreditversorgung der Wirtschaft. Und die ist zentral für eine arbeitsteilige Vorfinanzierungswirtschaft. Genau das vertuscht man aber mit dem Schwindel des Zusammenhangs von Preisniveau und Geldmenge und behauptet stattdessen dass die Geldpolitik (insb. ZB) die Geldmenge kontrollieren müsse, um für Preisniveaustabilität zu sorgen. Dass das hinten und vorne nicht stimmt bzw. passt, zeigt doch schon die Kollision dieses Dogmas mit dem Dogma, das Preise sich durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage ergäben.

    Sehr viel genauer und ausführlicher beschreibe ich diese Zusammenhänge sowie weitere zentrale Schwindel der orthodoxen Mainstream-Ökonomie in meinem aktuell in Entstehung befindlichen zweiten Buch, welches – so Gott will und ich es zeitlich schaffe – noch in diesem Jahr auf den Markt kommen wird.

    Herzliche Grüße
    Holger Lang

    • Herzlichen Dank für den ausführlichen Text. Ich schätze die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Lesern sehr und werde mir Ihre Argumente deshalb in Ruhe durchlesen, sobald ich Zeit dazu habe. Danach werde ich Ihnen auch antworten. Dies kann allerdings – wie bei Ihnen – etwas dauern. Bitte haben Sie so lange Geduld.

    • Hallo Herr Lang,

      Sie schreiben zu unseren Ausführungen auf S. 86:

      „Ich denke, hier wäre es sinnvoll, genauer zwischen den beiden Geld- bzw. Kreditkreisläufen zu unterscheiden.“

      Dieser Abschnitt auf S. 86 stellt eine kurze Zusammenfassung der vorangegangenen Kapitel dar. In diesen Kapiteln hatten wir bereits haarklein erklärt, wie die Geldproduktion von Geschäfts- und Notenbanken funktioniert und wie es sich mit den unterschiedlichen Geldkreisläufen verhält. Dabei haben die Leser sogar erfahren, dass es nicht nur zwei Kreisläufe gibt, wie Sie schreiben, sondern auch noch einen dritten, nämlich den des „Interbankengeldes“.

      Meinen Sie nicht, dass man angesichts dieses Informationsstandes an dieser Stelle darauf verzichten kann, noch einmal alles aufzudröseln? Zumal es uns hier nur um die Quintessenz aus allem ging, die da lautet: In guten Zeiten befeuern die Geschäftsbanken die Geldproduktion von alleine, also ohne Hilfe von außen, und in schlechten Zeiten müssen Notenbanken und Staaten zunehmend diese Rolle übernehmen, damit das auf Wachstum angelegte System nicht zusammenbricht. Dieser Zusammenhang gilt unabhängig von den unterschiedlichen Geldkreisläufen.

      Zur Geldproduktion aus dem Nichts: Auch darauf sind wir im Buchverlauf vor S. 86 lang und breit eingegangen. Wir haben ausführlich erklärt, inwieweit Geld aus dem Nichts kommt und welche Grenzen dies hat. Zum Beispiel haben wir dargelegt, dass die Produktion als solche tatsächlich erst einmal aus dem Nichts erfolgt – durch einen reinen Buchungsvorgang in der Bilanz. Inwieweit das Geld mit Werthaltigem unterlegt ist, wird erst relevant, wenn es den Kreislauf der geldschöpfenden Bank verlässt. Solange das Geld aber im Kreislauf der schöpfenden Bank bleibt, ist dies unerheblich. So lange kann die Bank munter von einem Kundenkonto aufs andere umbuchen, ohne dass irgendetwas anderes nötig wäre.

      Das ist umso bedeutender, je größer die Bank ist. Denn mit umso höherer Wahrscheinlichkeit kann sie damit rechnen, dass das Geld in ihrem Kreislauf bleibt.

      Aber selbst wenn es zu einer anderen Bank überwiesen wird, muss die geldschöpfende Bank es dafür nicht immer mit Zentralbankgeld unterlegen, wie Sie behaupten. Denn zum einen gibt es immer auch gegenläufige Buchungen, also Zahlungseingänge, mit denen die Ausgänge verrechnet werden können. Wenn schon, muss also nur der Saldo aus Aus- und Eingängen mit ZBG unterlegt werden.

      Aber in der Praxis ist selbst das nicht nötig: Wenn die Banken untereinander anschreiben (Stichwort Interbankengeld = 3. Geldkreislauf) brauchen sie dafür überhaupt kein ZBG. Die Spielräume sind also größer, als Sie vermuten. Wir öffnen den Lesern dafür im Buch die Augen.

      Sie schreiben weiter:

      „Im Ergebnis, und ich denke das ist sehr wichtig, steht am Anfang der Geldschöpfung also immer eine Nicht-Bank, die sich Geld bei einer Geschäftsbank leiht. Also einen Kredit aufnimmt. Den vergibt die Bank aber nicht einfach so, sondern auf Grund einer Kreditprüfung, inklusive Verpfändung von Kreditsicherheiten seitens Kreditnehmers sowie Besicherung durch bankeigenes Eigenkapital. Das heißt, ohne verschuldungswilligen und solventen Kreditnehmer kann eine Geschäftsbank kein Geld schöpfen. Schon gar nicht aus dem Nichts.“

      Auch hier sollten Sie noch mal genauer in unserem Buch nachlesen: Das, was Sie beschreiben, mag ja in einem Lehrbuch für Banklehrlinge so oder so ähnlich stehen, aber es entspricht leider nicht der Wahrheit. Es sollte vielleicht im Idealfall so sein, aber so ist es eben nicht immer. Geld KANN auch anders hergestellt werden – und wird es in der Praxis oft auch. Wer allerdings wie Sie der irrigen Annahme ist, dass es nur so und nicht anders sein kann, wie es der Banklehrling eingetrichtert bekommt, der versteht einen großen Teil der tatsächlichen Welt nicht mehr. Deshalb haben wir das Buch „Die Wahrheit über Geld“ genannt, weil man bei uns alles erfährt.

      Nach Ihrer Version hätte es zum Beispiel nie eine Subprime-Krise geben dürfen, in der wenig solventen Schuldnern massenweise Hauskredite aufgeschwatzt wurden. Diese Leute wurden im Prinzip so „verschuldungswillig“ gemacht.

      Zum Thema Inflation und Deflation in den beiden von Ihnen genannten Kreisläufen verweise ich auf unsere Facebook-Diskussion:

      https://www.facebook.com/raimund.brichta.3/posts/722801531133732?comment_id=725250854222133&offset=0&total_comments=11&notif_t=share_comment

      Dort wird zwar nicht alles, aber einiges zurechtgerückt.

      Weiter schreiben Sie, und zwar wieder unter Bezugnahme auf Seite 86 (viel mehr scheinen Sie in unserem Buch offenbar nicht gelesen zu haben, Scherz):

      „Hier müsste man m.E. ebenfalls sauberer differenzieren. Der größte Teil dessen, was der Staat sich als Geld leiht, um es investiv oder konsumtiv auszugeben, entstammt meines Wissens nach NICHT der Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken, sondern es handelt sich dabei um die Ersparnisse der privaten Haushalte, denn mit diesen Ersparnissen werden vorwiegend die Staatsanleihen gekauft.“

      Würden staatlich Ausgabenprogramme tatsächlich nur über bei Privathaushalten aufgenommene Schulden finanziert, würden sie noch weniger bringen, als sie es ohnehin schon tun. Denn dann hätten wir nur das Prinzip „rechte Tasche, linke Tasche“. Nein, tatsächlich bleibt ein großer Teil der Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken liegen. Und in diesem Umfang handelt es sich tatsächlich um neu geschöpftes Geld. Denn es ist im Prinzip egal, ob die Bank Kredit- oder Anleihegläubiger ist. In beiden Fällen schöpft sie Geld.

      Und in den USA ist es inzwischen schon so, dass ein großer Teil der Staatsanleihen sogar in den Bilanz der Notenbank direkt liegt. Das ist sogar monetäre Staatsfinanzierung vom Feinsten.

      ——-

      Am Ende kommen Sie dann endlich noch zum THEMA INFLATION, dem eigentlichen Grund unseres Diskurses. Denn es war ja Ihre Äußerung, wir würden hier einem Irrtum der Mainstream-Ökonomie aufsitzen, der mich zum Widerspruch reizte und zur Aufforderung an Sie, dies zu begründen.

      Allerdings fällt Ihre Begründung nicht überzeugend aus. Denn dass wir einen DIREKTEN Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau unterstellt hätten, wie Sie behaupten, stimmt nicht. Es gibt vielmehr nur einen indirekten Zusammenhang, der über verschiedene Transmissionsmechanismen wirken kann. Deshalb bezeichne ich im Buch auch steigende Preise allenfalls als ein mögliches Symptom, dass bei Inflation auftreten kann, aber NICHT ZWINGEND AUCH AUFTRETEN MUSS. Im Umkehrschluss sind fallende Preise dann auch nur ein mögliches Symptom von Deflation.

      Und was die Fischersche Verkehrsgleichung (Quantitätsgleichung) anbelangt, so hat diese mit Sicherheit ihre Schwächen. Eine davon spreche ich auch explizit im Buch an: Sie berücksichtigt nämlich nur den Geldumlauf in den BIP-wirksamen Bereichen und lässt den Bereich Vermögenswerte und Spekulation weitgehend außer Acht. Aber selbst die Verkehrsgleichung unterstellt keinen direkten Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation und hat dafür als Restgröße die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes parat. Mit deren Veränderung lässt sich ja jede mögliche Kombination aus Geldmenge, Güter- und Dienstleistungsmenge und Preisniveau kombinieren. Mit Ihrem Tautologie-Vergleich liegen Sie also gar nicht mal so falsch.

      Ihre Ausführungen zur Geldmenge und dass es diese doch eigentlich gar nicht gäbe, weil sie sich durch laufende Kreditvergaben und Kredittilgungen ständig verändere, halte ich dagegen für wenig zielführend. Denn damit sprechen Sie lediglich Messprobleme an. Entscheidend ist, was nach allen Neukrediten und Tilgungen herauskommt. Und das ist eine Geldmenge, die nicht erratisch schwankt, wie man nach Ihren Ausführungen vermuten könnte, sondern die sich sehr stetig entwickelt, in der Regel eben nach oben.

      Mit anderen Worten: Der Blick fürs Wesentliche lässt sich durch die unzähligen, gar nicht messbaren Einzeltransaktionen, die die Geldmenge in jeder Minute beeinflussen, nicht beirren. Genauso wenig durch die unterschiedlichsten Motivationen, aus denen heraus Preise steigen oder fallen können. Dem Preisniveau schenken wir im Buch deshalb überhaupt keine größere Aufmerksamkeit.

      Uns geht es vielmehr hauptsächlich um das Verhältnis der Geldmenge zur realen wirtschaftlichen Aktivität. Erhöhen sich beide im Gleichklang, ist alles in Ordnung, weil für eine höhere Aktivität auch mehr Geld als Zahlungsmittel benötigt wird. Wachsen die Geldmengen dagegen stärker als die wirtschaftliche Aktivität, diagnostizieren wir eine Inflation (= Aufblähung).

      Das Interessante ist dann, was mit den „überschüssigen“ Geldbeständen geschieht. Werden sie zum Zocken auf Finanzmärkten verwendet, können sie dort für Turbulenzen sorgen. Und genau dies ist ein Phänomen, das wir in den vergangenen Jahrzehnten beobachten konnten. Für jemanden, der diese Hintergründe versteht, sind die Finanzturbulenzen also nichts Überraschendes.

      Um nicht mehr und nicht weniger ging es uns in diesem Zusammenhang im Buch!

      Herzlicher Gruß
      Raimund Brichta

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