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Gefühlte Wahrheit im Bargeldstreit

15. Dezember 2016 von in Allgemein | 35 Kommentare

Immer wenn das Modewort des Jahres „postfaktisch“ fällt, werden auch die üblichen Verdächtigen genannt: Donald Trump, Wladimir Putin, Brexit- oder Pegida-Anhänger gelten als typische Quellen postfaktischer Ergüsse. Das Phänomen ist aber weiter verbreitet, als man denkt. Auch Finanzbeamte, Sparkässler und Richter scheinen gefühlte Wahrheiten wichtiger zu nehmen als Tatsachen, wie die neue Episode meines Bargeldstreits mit dem Finanzamt zeigt.

Zuerst eine Erfolgsmeldung: Meine Hartnäckigkeit hat das Finanzamt immerhin dazu gebracht, der örtlichen Sparkasse einen Dreizeiler zu schreiben. Damit soll die Sparkasse „ermächtigt“ werden, Bareinzahlungen für das Finanzamt von Leuten wie mir anzunehmen – so wie es die Abgabenordnung vorsieht. Das Schreiben ging im Juni dieses Jahres raus. Dumm ist nur, dass mir die Finanzbeamten schon im vergangenen Jahr mitgeteilt hatten, eine solche Ermächtigung sei längst erteilt. Dies kann also nur eine gefühlte Wahrheit gewesen sein.

Dumm ist auch, dass selbst die Ermächtigung nur eine gefühlte ist. Die Sparkässler ignorieren sie nämlich. Als ich neulich mit einem Bündel Geldscheinen auftauchte, beschied mir der Filialleiter, die Ermächtigung sei bloß eine „einseitige Willenserklärung“ des Finanzamts, an die man sich nicht gebunden fühle. „Wir haben unsere eigene Arbeitsanweisung, und die sieht eben vor, dass Bareinzahlungen über tausend Euro auf andere Konten als das eigene nicht möglich sind.“ Basta!

Diese „Arbeitsanweisung“ kannte ich schon aus früheren Anläufen. Deshalb brach ich auch diesen Bargeldversuch resigniert ab. Und stelle jetzt die zentrale Frage: Was ist eine Ermächtigung wert, die vom Ermächtigten ignoriert wird? Nichts.

Ich könnte noch auf die Weisheit deutscher Richter setzen und hoffen, dass in meiner laufenden Klage gegen das Finanzamt endlich ein Machtwort zu meinen Gunsten gesprochen wird. So naiv bin ich aber nicht, weil Richter an einem anderen Gericht längst entschieden haben, dass eine gefühlte Ermächtigung vollkommen ausreicht. Im Beschluss dieser Richter heißt es sinngemäß, wenn das Finanzamt ein solches Schreiben verschickt, hat es seine Schuldigkeit getan. Es muss nicht dafür sorgen, dass die Ermächtigung auch umgesetzt wird.

So werde ich das Gefühl nicht los, postfaktisch an der Nase herumgeführt zu werden,

resümiert Ihr
Raimund Brichta

 

35 Kommentare

  1. stehe dem Anliegen positiv gegenüber
    würde mich freuen wenn wir allen Behörden gegenüber zeigen könnten wer deren Jobs finanziert

  2. zahlen Sie ihre Steuerschuld bar in der Vollstreckungsstelle des Finanzamts

    • Dazu müsste aber erst mal eine Vollstreckung in die Wege geleitet werden. Und dazu möchte ich es – verständlicherweise – nicht kommen lassen.

  3. Naja, sie versuchen ja auch das Finanzamt an der Nase herum zu führen. Oder sehe ich das falsch?

    • Wieso? Ich versuche zu erreichen, dass die Abgabeordnung eingehalten wird. Wenn Sie das als An-der-Nase-Herumführen bezeichnen, können Sie das gerne tun 😉

  4. Sollten Sie Erfolg haben, müsste auch die Zwangseinzugsermächtigung für die Kfz-Steuer fallen, die ich persönlich viel schlimmer finde.

    • Alles nacheinander und nicht alles auf einmal. Aber seien Sie beruhigt: Ich werde vor Gericht keinen Erfolg haben, wetten?

  5. Hallo Herr Brichta,

    ich habe überhaupt keine Frage. Ich möchte mich nur dafür bedanken, dass es Leute gibt wie Sie, die nicht alles als gegeben hinnehmen. Dieser Beitrag kam mir jetzt nur zufällig in die Hände und ich fühlte mich auf Anhieb in meiner Ansicht bestätigt.

    Ich finde es frech, ignorant, ungeheuerlich und menschenverachtend, dass von unseren Politikern und Wirtschaftsbossen den Menschen EIN System, das lediglich mehr Profit für Unternehmen oder Banken bringt, aufgezwängt wird. Dinge, die uns lieb und heilig waren, werden außer Kraft gesetzt.

    Im Zuge der Digitalisierung wird vorausgesetzt, das wir uns ALLE nichts besseres vorstellen können, als unsere Geschäfte, unsere Fortbewegung von A nach B, unsere Einkäufe im Geschäft usw. digital erledigen zu können.

    Ich persönlich habe ein sehr ungutes Gefühl darin, wohin sich diese digitale Welt entwickelt. Das fängt bei den Banken an, geht mit der Post per Drohne weiter und hört bei den autonomen Autos auf. Vermutlich geht es sogar noch viel weiter. Ich fühle mich in meinen Rechten durch diese Entwicklung total eingeschränkt, da ich nichts dagegen machen kann und es in Kauf nehmen muss, wenn sich z. B. die Software des autonomen Autos dafür entscheidet, lieber mich, als das Kind oder den Bautrupp über den Haufen zu fahren.

    Wir gut die digitale Sicherheit ist, das erleben wir ja bald jeden Tag. Tesla verursacht Unfälle, bei Yahoo oder anderen Firmen werden die Daten geklaut, die Nächsten schleichen sich in Systeme ein, um die eigenen Dateien nur wieder freizugeben, wenn Lösegeld bezahlt wird, usw….

    Und absolut nicht zu vergessen ist der Terrorismus. Der konnte doch genaugenommen nur durch die digitalen Medien so groß und effektiv werden. Genaugenommen haben wir verschiedene Kriege nur diesem Wahnsinn zu verdanken.

    Wenn es eine Gruppe geben würde, die sich dafür einsetzen würde, gegen diesen drohenden Wahnsinn vorzugehen, dann wäre ich sofort dabei.

    Ich bitte um Entschuldigung, dass ich da jetzt von Ihrem Thema komplett abgekommen bin. Da ich aber nicht wusste, dass es schon bei eine Bareinzahlung beim Finanzamt anfängt, kam bei mir der ganze digitale Wahnsinn hoch und ich hoffe, dass sich dieser Meinung viele anschließen.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute und bedanke mich nochmals für Ihre Veröffentlichung.

    Mit hoffnungsvollen Grüßen
    Ute

  6. Da Recht und Gesetz in Deutschland inzwischen auch von der Regierung ignoriert wird, ist es nicht verwunderlich, dass sich dies auch in den untergeordneten Stellen fortsetzt. Die Bundesrepublik Deutschland hat es inzwischen aufgegeben, sich nach außen und gegenüber den eigenen Bürgern wie ein Rechtsstaat zu verhalten. Der Staat ist nicht mehr für den Bürger da, sondern er entwickelt sich zunehmend zu einem Instrument der Repression, der Zugewanderte gegenüber denen, die schon länger hier wohnen und keine Steuern zahlen, bevorzugt.

    • Gegen Ihre letzte Äüßerung, die mir zu sehr als pauschale Fremdenfeindlichkeit daherkommt, erhebe ich Einspruch!

  7. Das zeigt mal wieder, in was für einer Bananenrepublik wir eigentlich wirklich leben. Ich weiss nicht, ob es anderswo besser ist, aber nach meinen persönlichen Erfahrungen habe ich ein anderes EU-Land als Wohnsitzland gewählt. Und wenn man sich mit ein wenig Distanz mit Deutschland beschäftigt….dann wird das katastrophale Bild nur noch schlimmer.
    Schade, dass von Deutschland keine Revolutionen mehr ausgehen – leider in keinerlei Hinsicht!

    • Ich teile Ihre pessimistische Einstellung betont nicht, lieber Auswanderer. Klar liegt vieles im Argen, aber das gilt für jedes Land der Welt. Diese Einschätzung hindert mich jedoch nicht daran, dort einzuhaken, wo etwas im Argen liegt. Und dies ist m. E. beim Umgang mit Bargeld der Fall.

  8. Hallo Herr Brichta,

    ich bedaure, dass diese Diskussionn jetzt, vermutlich ausgelöst durch meinen Beitrag, in die falsche Richtung läuft und bitte alle Leser, beim Thema zu bleiben.

    Hier geht es doch darum, dass Dinge in der Zukunft voraussichtlich nur noch digital durchgeführt werden können und nicht um Zuwanderung oder sonstige Missstände im Lande, die ohne Zweifel da sind. Die können aber nicht im Zusammenhang mit diesem Thema hier abgehandelt werden.

    Viele Grüße
    Ute

  9. Ihre Initiative ist „köstlich“ und ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Dass Sie durchhalten können, haben Sie schon bewiesen. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass Sie keinen Erfolg erwarten dürfen, denn Deutschland erstickt mittlerweile in Gesetzen und Verordnungen. Jede Behörde kann sich heraussuchen, was gerade passt, und es passt immer etwas. Die Politiker handeln ebenso. Eine von mir eingereichte Petition beim Petitionsausschuss NRW wurde abgeschmettert, weil sich NRW als nicht zuständig betrachtete und mir mitteilte, dass der Bund zuständig sei. Folgerichtig schickte ich meine Petition an den Petitionsausschuss des Bundestages. Antwort: Nicht der Bund, sondern die EU sei zuständig. Nächster Versuch: Meine Petition an den Petitionsausschuss des Europaparlaments. Antwort: Die BRD sei zuständig. Ich richtete meine Petition erneut an den Bundestag mit dem entsprechenden Hinweis der EU. Antwort: NRW sei zuständig. Erneute Einreichung in NRW mit dem Hinweis der EU und des Bundes. Antwort: Ohne Zustimmung des Bundes kann NRW nicht handeln.
    ICH HABE FRUSTRIERT AUFGEGEBEN.
    „Das Recht muss nie der Politik, wohl aber die Politik jederzeit dem Recht angepasst werden.“ Immanuel Kant (1724-1804)

    • Wie geschrieben, rechne auch ich nicht damit, vor Gericht zu obsiegen 😉 Das hindert mich aber nicht daran, hartnäckig zu bleiben.

  10. Hallo Raimund,

    musst Du nun doch beigeben, weil das FA „alles erdenkliche getan hat“ um Dir „entgegen zu kommen“ und nur die böse „reale Welt da draußen“ in Form der ignoranten Banken einfach nicht mitspielt…

    Oder geht Dein Selbstversuch, wie ich schwer hoffe, in die nächste Runde?

    Beste Grüße und Weihnachtswünsche vorab,
    Martin.

    • Wie kommst Du denn darauf, lieber Martin? Von beigeben habe ich doch nichts geschrieben, und ich hoffe nicht, dass ich an irgendeiner Stelle diesen Eindruck erweckt habe. Die Klage läuft, und dabei bleibt es. Möglicherweise muss ich sogar noch eine Klage gegen die Sparkasse nachschieben, denn mein Anwalt meint, dass man nicht so ohne Weiteres eine solche Ermächtigung ignorieren könne.

      Du siehst, es gibt noch viel Stoff für eine Fortsetzung der Reihe 😉

      Wie es so meine Art ist, habe ich im Artikel lediglich eine realistische Einschätzung wiedergegeben, wie das laufende Verfahren wohl ausgehen dürfte. Und Du weißt, dass meine Prognosen nicht immer zutreffen, aber immer öfter 😉

      Herzlicher Gruß
      Raimund

  11. Grüezi Herr Richter

    Alle reden vom Italexit,Grexit usw……wir wissen das der Euro für die meisten
    Staaten ein Problem ist.Daher mein Vorschlag: Germanexit!!
    Wenn Deutschland die Eurozone verlässt würde die Währung gleich zur neuen „DM“
    abwerten und somit die südlichen Volkswirtschaften wettbewerbsfähiger machen!!
    Deutschland ,Österreich und vielleicht auch die Niederlande hätten zwar eine stärkere Währung aber die Schulden in Euro wären in DM geringer!

    Vielleicht alles nur Quatsch aber wenn ein Trump President wird………
    Grüsse

    • Ein Austritt der starken Euro-Länder ist seit Längerem auch mein favorisiertes Szenario. Ganz einfach deshalb, weil er viel einfacher umzusetzen wäre als ein Austritt der schwachen Länder. In letzterem Fall gäbe es nämlich das Problem, dass in den betroffenen Ländern niemand bereit wäre, seine Euro in die neue, schwache Währung zu tauschen. Es gäbe also von vornherein ein massives Akzeptanzproblem.

      Wenn Deutschland, Holland und Österreich dagegen austräten, wäre in den genannten Ländern jeder gewillt, seine Euro in DM oder eine neue Währung umzutauschen, die mit sicherheit stabiler als der Euro würde.

  12. falsches feinbild finanzamt. bei genauer betrachtung handelt es sich um ein surrealistisches kunstwerk des gesetzgebers. die bargeldtreppe ins nichts… siehe auch “ impossible way illusion“ offensichtl. wollte der gesetzgeber aus gründen einer kosteneffizienten verwaltung grundsätzlich keinen bargeldverkehr, aber- um möglichst alle wähler auch hartnäckige bargeldanhänger- freundlich zu stimmen, eine bargeldzahlung auch nicht völlig ausschließen. tja, ist halt mißglückt und Sie sind drauf reingefallen.

    • Erstens ist das Finanzamt nicht mein Feindbild. Im Gegenteil: Die Beamten tun mir zuweilen ordentlich leid.

      Zweitens bin ich nicht „reingefallen“, sondern gehe schlichtweg der Frage nach, ob der Staat sein eigenes Geld, das von ihm als „gesetzliches Zahlungsmittel“ etabliert wurde, annimmt oder nicht. Dass er es nicht tut, ist ja in meinem Selbstversuch (Teile 1-5) hinreichend deutlich geworden. Jetzt möchte ich nur noch wissen, mit welchen Windungen die (ebenfalls staatliche) Gerichtsbarkeit dies als rechtmäßig zu begründen versucht. Das ist alles.

  13. naja, inzwischen liegen Ihnen ja 2 FG-entscheidungen mit begründung vor.es liegt in der natur der sache, daß der unterlegene teil mit der begründung des gerichts höchst selten einverstanden ist. im übrigen ist ihnen sicher nicht entgangen, daß mehrere verwaltungsgerichte -gefühlt 10- i.s. rundfunkgeb. u. barzahlung -mit begründung- entsprechend entschieden haben. unsere gerichte sind zwar auch „staatliche“ -was denn sonst- im rahmen der Gewaltenteilung aber selbständig, unabhängig und keinen weisungen unterworfen. sie können aber den murks, den der gesetzgeber verursacht hat -jedenfalls im vorliegenden fall- nicht reparieren.daß Sie sich an der nase herumgeführt fühlen ist verständlich, m.e. wenden Sie sich aber an den falschen adressaten. was hätte den das finanzamt tun sollen, damit die bank von IHRER ERMÄCHTIGUNG gebrauch macht.. ein berittene kohorte vorbeischicken? aber Sie wollen ja weitergehen – bin gespannt.

    • Mir persönlich liegt erst EINE FG-Entscheidung vor. Und dabei geht es – anders als Sie es unterstellen – um eine recht einfache Frage: Ist die in der AO vorgesehene Ermächtigung so zu verstehen, dass es sich um eine WIRKSAME Ermächtigung handeln muss? In der mündlichen Verhandlung am Hessischen Finanzgericht hat dies jedenfalls der vorsitzende Richter bejaht, in der Urteilsbegründung geht er darauf aber nicht mehr ein.

      Im Übrigen gibt es selbstverständlich andere Methoden der Wirksammachung, als berittene Kohorten vorbeizuschicken. Eine einfache bindende Vereinbarung mit der Sparkasse reicht dafür zum Beispiel aus. Darin könnte man festhalten, dass mit Steuernumner versehene Einzahlungen zugunsten eines bestimmten Finanzamtkontos stets anzunehmen sind. Zumal die Gefahr einer Geldwäsche bei der Begleichung von Steuerschulden auszuschließen ist. Die Steuerschuld belegt schließlich den Sachverhalt, dass dieser Zahlung ordnungsgemäß verbuchte und dem Finanzamt offenbarte Einnahmen zugrunde liegen.

      Was die verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen zu den Rundfunkgebühren anbelangt, beziehen sich diese auf einen vollkommenen anderer Sachverhalt. Für Rundfunkanstalten gilt die Abgabenordnung nicht, für Finanzämter aber schon.

      Und wenn Sie von „Murks“ sprechen, den der Gesetzgeber verzapft hat, dann wäre selbst dies ein journalistisch sachgerechtes Ziel, wenn meine Artikelserie das Ergebnis brächte, diesen Murks einer breiteren Öffentlichkeit offenzulegen. Bis jetzt hat dies jedenfalls noch niemand getan.

      Sie können es also drehen und wenden, wie sie wollen: Meine Artikelserie zum Bargeldverbot beim Finanzamt hat ihre Berechtigung.

  14. selbst, wenn das finanzamt verpflichtet wäre -was es nach dem gesetzestext offensichtlich nicht ist- dafür zu sorgen, daß die erteilte ermächtigung auch umgesetzt wird, hätte der GESETZGEBER es mit entsprechenden machtmitteln (z.b. der möglichkeitteln zwangsgeld gegen die unfolgsame bank festzusetzen) ausstatten müssen. ohne eine solche RECHTSGRUNDLAGE geht die sache doch von vorneherein ins leere….bzw. wird surreal oder?

    • Nein, eine einfache Vereinbarung zwischen FA und Spk ist ausreichend (siehe oben). Nur hat sich das Finanzamt bis jetzt nicht die Mühe gemacht, eine solche abzuschließen. Selbst das Briefchen, das bei der Spk einging, hat das FA nur verfasst, nachdem ich es auf den entsprechenden Paragraphen der AO mehrfach hingewiesen hatte.

  15. zu einer vereinbarung gehören immer zwei. freiwillig wird die spk offensichtlich einer vereinbarung nicht zustimmen. also drehen wir uns in kreis, ohne gesetzl. möglichkeit etwas gegen den willen der spk durchzusetzen geht es nicht. der gesetzestext § 218 4 AO reicht für diese erkenntnis bereits aus. deshalb muss sich das FG in seiner begründung auch nicht aus etwas herauswinden. es ist sogar strittig-wenn auch minderheitenmeinung-ob das finanzamt überhaupt eine ermächtigung erteilen muß – vgl. google bauchlandung der bargeldretter.

    • Es wäre nicht das erste Mal, dass die öffentlich-rechtlichen Sparkassen aufgrund ihrer Sonderstellung sich zu gewissen Aufgaben bereit erklären, die ihnen eine ordnungsrechtliche Regelung zuweist. Unstrittig ist, dass eine Ermächtigung laut AO eine wirksame Ermächtigung darstellt. Wenn die Wirksamkeit nicht gegeben ist, ist die Ermächtigung damit nicht erfolgt.

      Im Übrigen sind die Begründungswindungen der Gerichte auch vollkommen unerheblich. Wenn am Ende herauskommt, dass der Staat tatsächlich sein eigenes gesetzliches Zahlungsmittel nicht akzeptiert (und auch nicht akzeptieren muss), dann wäre dies aufgrund meines Engagements erstmals offiziell dokumentiert. Allein dies wäre mir schon die Mühe wert.

      • die öffentl. rechtl. sparkassen sind eher kommunalen einflüssen ausgesetzt. wenn der „bundesgesetzgeber“ sie hätte einbinden wollen, wäre dies problemlos möglich gewesen…hat er aber nicht. ob ein ermächtigter von einer ermächtigung gebrauch macht oder nicht, berührt grundsätzlich nicht die wirksamkeit der ermächtigung . der dem begriff ermächtigung inneliegende wortsinn ist deutlich erkennbar. bin gespannt wie Sie weiter vorgehen.

        • Ihre Ausführungen zur Ermächtigung entsprechen genau der juristischen Wortklauberei, die ich als Windungsversuche der Gerichte bezeichne. Fakt ist, dass eine Ermächtigung, die nicht wirksam werden kann, weil sich der Ermächtigte gar nicht ermächtigen lassen will, sinnlos ist. Insofern wird das Verfahren die Sinnlosigkeit des entsprechenden AO-Paragraphen dokumentieren. Da die AO als eine Art Grundgesetz der Finanzverwaltung anzusehen ist, schließt sich daran die Frage, ob man dieses Grundgesetz ändern sollte.

          Die Konseqzenzen sind aber noch viel weitreichender: Sämtliche Regelungen in Bezug auf das gesetzliche Zahlungsmittel wären nichtig. Deshalb müsste man auch das gesetzliche Zahlungsmittel abschaffen.

          Wie ich weiter vorgehe, ist klar: Es wird die nächsthöhere Instanz angerufen, auch wenn ich weiß, dass dies nichts ändern wird. Aber schließlich muss ich zunächst alle Rechtsmittel ausschöpfen, bevor ICH in dieser Sache ein abschließendes Urteil fällen kann.

  16. gesetze sind das eine, die gefühlte gerechtigkeit ist etwas anderes und letztere wird übrigens oft höchst individuell unterschiedlich empfunden. im idealfall ergeben sich übereinstimmungen – gelegentlich abweichungen.ohne gesetze geht nix. fehlerhafte gesetze gehören zu den allgemeinen lebensrisiken, d.h. nicht daß sie unabänderlich sind, im gegenteil…es dauert halt oft

    • Und genau darauf will ich hinaus: Wenn weder die AO noch die gesetzlichen Regelungen zum gesetzlichen Zahlungsmittel befolgt werden, ist es an der Zeit, die Gesetze an die Wirklichkeit anzupassen (oder die Wirklichkeit an die Gesetze).

  17. lt. BT-drucksache 7/4292 v. 7.5.75 wurde durch § 224 abs. 4 ao die optionale schließung der finanzkassen f. barzahlungen ermöglicht. für den fall der schließung wurden die damaligen weisungsgebundenen zweigstellen der dt. bundesbank mit der ersatzannahme “ betraut“. eigentlich müßte es auch eine BT- drucksache geben, aus der sich die begründung des gesetzgebers für die spatere änderung mit der optionalen ermächtigung von spk/bk ergibt.

    • Das ist eine weitere interessanter Möglichkeit. Da die Buba nicht an allen Finanzamts-Standorten Zweigstellen unterhält, könnte sie als „Bank der Banken“ Kreditinstitute vor Ort beauftragen, für sie die Ersatzannahme in diesem speziellen Fall zu übernehmen. Zumal die Buba selbst ein eigenes Interesse daran haben dürfte, dass das gesetzliche Zahlungsmittel im Grundsatz seine Funktion erfüllen kann. Da die meisten Leute von dieser Möglichkeit ohnehin nicht Gebrauch machen dürften, wäre dies vom Umfang her allemal praktikabel. Es kommt eben nur auf den Willen an. Und genau diesen teste ich mit meinem Projekt aus.

  18. Sehr geehrter Herr Brichta,
    ich habe Ihnen hier mal einen Artkel angehangen,
    welchen ich sehr interessant finde, weil damit auch klar ist, dass das Finanzamt, ab dem Zeitpunkt der schriftlich angezeigten Zahlungswilligkeit, keine Verzugszinsen, Mahnkosten und Vollstreckungskosten mehr zustehen…

    Der verhinderte Steuerzahler hat allerdings umgehend eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof (Az.: VIII B 19/18) eingelegt. Schließlich hatte dessen Anwalt bereits vor Prozessbeginn eine Stellungnahme der Bundesbank eingeholt. Schließlich heißt es dort, dass „niemand die Annahme von Euro-Banknoten und -Münzen zur Erfüllung einer Verbindlichkeit ablehnen kann, ohne rechtliche Nachteile zu erleiden.“ Erklärend heißt es weiter: „Lehnt ein Gläubiger die ihm ordnungsgemäß zur Erfüllung angebotenen gesetzlichen Zahlungsmittel ab, gerät er in Annahme- oder Gläubigerverzug.“

    • Danke für den interessanten Artikel, lieber Wolfgang.

      Man kann es aber drehen und wenden, wie man will: Die Finanzämter werden auch künftig nicht bereit sein, Bargeld anzunehmen. Und sie werden – wie in meinem Fall – von den Gerichten darin gedeckt. Das ist der ganz normale Wahnsinn unseres Systems.

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