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Fondsgebundene Lebensversicherung – das steht nicht im Kleingedruckten

26. November 2013 von in Allgemein | 2 Kommentare

Mathias Kühnert schrieb am Mo, 25 Nov 2013 7:50 pm:

Hallo Herr Brichta,

ich habe ihr Buch sehr aufmerksam gelesen. Bin im Grunde auch begeistert, die Art den Inhalt zu „transportieren“ ebenso gewisse Feinheiten und Wahrheiten zu kommunizieren.

Etwas verunsichert hat mich aber doch Ihre Darstellung zu Thema Altersvorsorge. Im Grunde stellen Sie einen gesamte Branche und die im Versicherungsbereich exisitierenden Produkte in Frage. Im Besonderen erklären Sie weshalb auch Fondspolicen keinen Lösung sind – da die Werte kein Sondervermögen für jeden einzelnen Kunden darstellen sollen.

Fragen die Versicherer jedoch anderes und öffentlich kommunizieren.

Worauf stützt sich ihre Informationen – kann ich dieses definitiv so als richtig von ihnen bewerten und die Versicherer „lügen was das Zeug hält“.? Oder war es nur einen Spannungsbogen bildende Retorik, zu besseren Verdeutlichung des grundsätzlichen Problems.

Ich würde mich freuen eine Antwort zu erhalten.

Eigentlich wollte ich ihr Buch in allen Tönen loben und eine Geschenkempfehlung, auch unseren Kunden als Buchtipp zu Weihnachten aussprechen, in unserem Blog (www.biac.de/blog). Aber jetzt habe ich doch etwas Respekt bekommen mir damit selbst damit das Leben schwer zumachen 🙁
Beste Grüße
Mathias Kühnert

Raimund Brichta antwortet:

Lieber Herr Kühnert,

im Abschnitt zu den Kapitallebensversicherungen haben wir uns um dasselbe Maß an objektiver und unvoreingenommener Analyse bemüht wie im Rest des Buches. Wir wollen den Leserinnen und Lesern auch hier lediglich Wahrheiten vermitteln. Dazu gehört selbstverständlich auch die Information, dass das Sondervermögen eines Investmentfonds bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung der Versicherung gehört und der Kunde darauf keinen direkten Zugriff hat. Selbstverständlich haben wir das sorgfältig recherchiert, in diesem Fallle sogar beim Marktführer Allianz.

Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine Exklusivinformation, die sonst niemandem bekannt wäre. Sie wird nur verständlicherweise von den Versicherungen nicht besonders herausgestellt. Warum auch? Denn sie spielt ja nur im Falle der Insolvenz der Versicherung eine Rolle, wovon man beim Vertragsabschluss nicht ausgeht. Dass Indexzertifikate nur Anleihen der ausgebenden Bank sind, war jahrelang ebenfalls kein Geheimnis – es hat nur niemanden interessiert, bis die Lehman-Pleite kam.

Dass die Tatsache an sich bekannt ist, zeigt auch eine zufällige Internetrecherche, die ich gerade angestellt habe. Lesen Sie zum Beispiel einmal, was der Finanzanlagefachmann Johannes Laas auf seiner Seite dazu schreibt (er ist Versicherungsvermittler):

„Werden Aktienfonds über eine fondsgebundene Lebensversicherung oder Rentenversicherung bespart, sind die Fondsanteile zwar auch Sondervermögen, diese gehören jedoch der Versicherungsgesellschaft und nicht dem Kunden. Folglich kann der Kunde als ‚Nicht-Eigentümer‘ des Wertpapierdepots keine Aussonderung der Fondsanteile aus der Konkursmasse der Versicherungsgesellschaft geltend machen.

Bei Insolvenz der Versicherungsgesellschaft fallen daher Gelder aus einer fondsgebundenen Kapitalversicherung ebenso in die Auffanggesellschaft „Protektor“ (oder im schlimmsten Fall in die Konkursmasse), wie Gelder aus klassischen Kapitalversicherungen.“

Und dann fügt er noch folgende Erklärung hinzu:

„In diversen Foren ist zu lesen, dass Versicherungen den Status des Sondervermögens (im Sinne des Kunden) bestätigen bzw. gegenteilige Behauptungen sogar abstreiten. Beide Aussagen beruhen jedoch auf ungenauem Lesen der Prospekte. Versicherungen besprechen im Zusammenhang mit dem Begriff ‚Sondervermögen‘ lediglich die Insolvenz der Fondsgesellschaft bzw. der Kapitalanlagegesellschaft/ Investmentgesellschaft und/oder die Insolvenz der Depotbank. Unser Beitrag behandelt jedoch die Insolvenz der Versicherung selbst. „

(Quelle: http://www.gegen-altersarmut.de/Sondervermoegen.htm)

Ich betone, dass Herr Laas NICHT unsere Informationsquelle für unser Buch war, aber seine Analyse deckt sich doch ganz gut mit unserer, oder? Und genauso wenig wie er würde ich davon sprechen, dass „die Versicherer ‚lügen was das Zeug hält‘ „, wie Sie schreiben. Nein, sie lassen bestimmte Dinge vielleicht einfach im Unklaren bzw. sprechen von etwas Anderem, nämlich der Insolvenz der Fondsgesellschaft oder der Depotbank. Aber auch das ist verständlich, denn schließlich spricht doch niemand beim Vertragsabschluss über seine eigene mögliche Insolvenz. Das würden Sie doch auch nicht tun, oder?

Wir wollen im Buch auch keine ganze Branche in Frage stellen, sondern lediglich auf ein Risiko hinweisen, das unzweifelhaft besteht. Ob dieses Risiko tasächlich einmal zum Tragen kommt, und wenn ja wann, können auch wir nicht vorhersagen. Aber man sollte es trotzdem kennen, weil es ebenfalls zur Wahrheit über Geld gehört, wie wir meinen.

Und wie gesagt: Das Emittenden-Risiko bei Indexzertifikaten war vor Lehman Brothers auch nirgendwo ein Thema.

Ist für Sie damit einigermaßen verständlich, dass wir keine Panik verbreiten, sondern einfach ein paar Wahrheiten in die Köpfe der Bürger bringen wollen? Zu diesen Bürgern gehören auch – und gerade – Finanzberater und -vermittler wie Sie. Denn wir denken, dass Sie Ihre Kunden dann am besten beraten können, wenn Sie sich selbst über alle Risiken im Klaren sind.

Herzlicher Gruß
Raimund Brichta

2 Kommentare

  1. Das klingt wirklich sehr interessant. Vielleicht wäre dies auch eine Lektüre für mich, denn dieses Thema betrifft ja doch einige Menschen.

    • Ganz bestimmt wäre das was für Sie!

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