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Die Wahrheit über Zinsen

8. September 2019 von in Allgemein | 4 Kommentare

Wie verbreitet die  Missverständnisse über unser Geldsystem sind, zeigt folgende Bemerkung von Prof. Joseph Huber, der die Vollgeldbewegung „Monetative“ in Deutschland ins Leben gerufen hat. Huber schreibt:

„Da Zinsen an einem Markt von sich aus nicht unter die Nullzinsgrenze rutschen, …“

https://vollgeld.page/negativzins

Damit unterstellt er, die Marke null sei eine natürliche Untergrenze für den Zins, die allenfalls durch aktives Drehen der Notenbank an der Zinsschraube unterboten werden könne (wie in den letzten Jahren geschehen).

Stimmt nicht.  Wenn – wie hier mehrmals dargelegt – die Masse an vorhandenem Geldvermögen (das nach Anlage sucht) und die Masse an Schulden (die diesem Geldvermögen gegenüberstehen) groß genug ist (und außerdem systembedingt weiter wächst),  kann der Zinsdruck, der von der riesigen Masse an Sparvermögen ausgeht, sehr wohl dafür sorgen, dass die Zinsen am Markt von sich aus unter die Nullgrenze rutschen.

Denn genauso wie die Sparvermögen insgesamt wachsen, wächst innerhalb dieser Masse auch der Anteil desjenigen Sparvermögens, das nur bei den kreditwürdigsten Adressen angelegt werden soll, oft sogar nur dort angelegt werden darf. Die Nachfrage nach diesen Anlagen ist dann so groß, dass die betreffenden Geldvermögensbesitzer sogar Kosten in Form von Negativzinsen in Kauf nehmen. Hauptsache, sie haben eine „sichere“ Anlage.

Dazu kommt Folgendes: Solange der Zinstrend nach unten weitergeht, können diese Anleger mit Kursgewinnen auf ihre Anleihebestände rechnen, die sie für den Negativzins entschädigen. Verrückt, was?

Die Zusammenhänge sind eigentlich einfach. Deshalb verstehe ich nicht, warum sie von fast allen etablierten „Experten“ ignoriert werden.

Der Beitrag der Notenbanken besteht nur darin, dass sie die Geldvermögen mit ihren Eingriffen schützen. Sie lassen es damit nicht zu, dass diese Spargelder – bzw. große Teile davon – in einer monetären Krise vernichtet werden. Dies haben die Notenbanken seit der Finanzkrise gemacht, und sie werden nach meiner Einschätzung auch im vor uns liegenden Jahrzehnt so weitermachen.

Theoretisch könnten die Notenbanken natürlich gegensteuern. Sie könnten zum Beispiel die Leitzinsen erhöhen. Damit würden sie aber  ab einem bestimmten Punkt selbst die Krise auslösen, die sie eigentlich verhindern wollen.

Denn: Dem wachsenden Geldvermögensberg steht ein ebenso wachsendes Schuldenloch gegenüber. Viele dieser Schuldner würden pleite gehen, wenn die Zinsen stiegen. Über einen Dominoeffekt käme es dann zur besagten monetären Krise, die schließlich in einer realwirtschaftlichen Krise münden würde wie der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre .

Dann hätten wir die Bereinigung. Geldvermögen und Schulden wären in großem Stil vernichtet, und die Zinsen könnten danach auch wieder steigen. Das werden die Notenbanken aber nicht freiwillig zulassen,

wettet Ihr

Raimund Brichta

4 Kommentare

  1. Lieber Herr Brichta,

    Ihre Argumentation ist leider unlogisch!

    Sie schrieben: „Der Beitrag der Notenbanken besteht nur darin, dass sie die Geldvermögen mit ihren Eingriffen schützen. Sie lassen es damit nicht zu, dass diese Spargelder – bzw. große Teile davon – in einer monetären Krise vernichtet werden. Dies haben die Notenbanken seit der Finanzkrise gemacht, und sie werden nach meiner Einschätzung auch im vor uns liegenden Jahrzehnt so weitermachen.“

    Wenn es diese Eingriffe nicht gegeben hätte, wäre ein Teil der Geldvermögen schon durch eine Krise vernichtet worden, ergo wäre die Masse an Schulden (die diesem Geldvermögen gegenüberstehen) und der davon ausgehende Zinsdruck gar nicht so groß damit die Zinsen am Markt von sich aus unter die Nullgrenze rutschen.

    Sie bestätigen Joseph Huber also mit Ihren Ausführungen anstelle ihn zu widerlegen!

    Beste Grüße,
    Bernhard-Albrecht Roth

    • Leider interpretieren Sie mich da falsch. Denn genau das, was Sie schreiben, habe ich in der von Ihnen zitierten Passage ja auch geschrieben. Die Notenbanken haben den Zusammenbruch verhindert, dadurch konnten die Geld- und Schuldenmengen weiter wachsen, und dadurch wurden die Zinsen zum Teil negativ. Offenbar sind wir uns da einig.

      Der Beitrag der Notenbanken ist also der, dass sie das System am Laufen halten und nicht zusammenbrechen lassen.

      Darauf hat Herr Huber in seinem Betrag aber nicht abgestellt. Sondern er stellte darauf ab, dass nur die Notenbanken den Zins „künstlich“ auf das niedrige Niveau gedrückt hätten und dass der Zins nur deshalb in den negativen Bereich gelangen könne. Andersherum: Der Zins wäre nach Hubers Interpretation im gegenwärtigen System nicht negativ, wenn es den Negativzins der Notenbank nicht gäbe. Davon, dass es dieses System ohne die Notenbanken gar nicht mehr gäbe, spricht Huber mit keinem Wort! Das ist also gar nicht sein Punkt.

      Was Huber und möglicherweise auch Sie ausblenden, ist der Sachverhalt, dass die Zinsen systembedingt durch steigende Geld- und Schuldenmengen ganz langfristig gegen Null und ins Negative tendieren. Dieser systembedingte Drang kann nur dadurch unterbrochen werden, dass das System zusammenbricht (bzw. große Teile davon). Das ist aber etwas völlig Anderes, als wenn man sagt, das System selbst lasse gar keinen Negativzins zu.

      Wenn das System läuft – und nur dann -, tendiert es also zwangsläufig zum Negativzins.

      Verstehen Sie, worauf ich hinaus will?

      • Lieber Herr Brichta,

        natürlich weiß ich worauf Sie hinauswollen!

        Was Sie aber offensichtlich nicht erkennen, ist, dass es ohne Henne auch kein Ei gäbe, d.h. den von Ihnen behaupteten langfristig gegen Null tendierenden Zins gibt es nur in einem unfreien also gesteuerten Markt, in welchem die Notenbanken die Krisen – als Folge von zuviel geschöpftem Giralgeld der Geschäftsbanken – nur soweit bekämpft haben, dass sich das System immer wieder erholen konnte, aber der Zinseszinseffekt (aus Geld mehr Geld zu machen) nicht gefährdet wurde.

        Ihre Kritik an Joseph Huber geht schon deshalb fehl, weil er den Istzustand mit einen freien Markt vergleicht, Ihre Thesen aber nicht vergleichen, sondern nur von einem unfreien und gesteuerten Marktes ausgehen.

        Ihre Kritik, dass Äpfel keine Birnen sind, macht aus meiner Sicht wenig Sinn!

        Beste Grüße,
        Bernhard-Albrecht Roth

        • Na gut, dann versuche ich, es nochmal zu präzisieren:

          Zunächst mache ich nicht den von Ihnen postulierten Unterschied zwischen „frei“ und „unfrei“. In der Realität, also in einer regulierten sozialen Marktwirtschaft wie der unseren, gilt stets: Märkte sind weder vollkommen frei, noch sind sie vollkommen unfrei. Das heißt, sie sind stets teilreguliert. Ich werte dies hier gar nicht, sondern ich stelle es einfach wertneutral fest.

          Zu dieser Teilregulierung gehört die Notenbank mit Ihren Eingriffen seit mehr als hundert Jahren stets dazu. Darüber mag man klagen oder nicht, es ist aber Realität. Sich einen Markt ohne Notenbanken zu erträumen, können wir also getrost in den Bereich des Wunschdenkens abtun.

          Und mehr noch: Die Notenbanken gehören nicht nur einfach dazu, sondern sie spielen in diesem System sogar eine wichtige, systemerhaltende (oder zumindest lebensverlängernde) Rolle. Es mutet also geradezu grotesk an, wenn man diesen wesentlichen Pfeiler des Systems als systemfremd und „unfreiheitsbringend“ aussondern wollte. Nein, ohne Notenbanken wäre dieses Geldssystem nicht das, was es ist. Ich beziehe mich in meinen Veröffentlichungen aber immer bewusst und betont auf genau dieses System, das existiert, und nicht auf irgendwelche Wunschgebilde.

          Zudem ließe es die Rolle der Notenbanken in diesem System auch zu, die angesprochenen Bereinigungen zuzulassen, wie etwa in der 30er-Jahren geschehen. (Was Bernanke & Co immer als Fehler bezeichnet hatten, den es in Zukunft zu vermeiden gelte.)

          Also: Ausgehend von der Tatsache, dass das System so funktioniert, wie es funktioniert, und dass die Notenbanken darin eine systemstabilisierende Rolle spielen sollen, ist es von entscheidender Bedeutung, zu erkennen, was langfristig zwangsläufig geschehen wird, wenn die Notenbanken nichts anderes tun, als ihrer Aufgabe nachzukommen, das System möglichst lange zu erhalten.

          Wer in einer solchen Situation behauptet, die Zinsen sind nur deshalb negativ, weil die Notenbank ihre Leitzinsen negativ macht, springt viel zu kurz und erkennt nicht die wahren Kräfte, die im Hintergrund wirken – und dies sind systembedingt stetig größer werdende Geldvermögensberge und Schuldenlöcher. Das ist eigentlich so einfach, und ich wundere mich immer wieder, warum das so wenige Menschen durchschauen.

          Wer allein die Negativzinsen der Notenbanken für Negativzinsen am Markt verantwortlich macht, mag zwar wütenden Sparern nach dem Mund reden. Er sagt diesen Sparern aber nicht, dass gerade sie mit ihren Sparvermögen in der Gesamtheit Teil des Problems sind. Würde jeder Geldvermögensbesitzer auf einen Schlag auf die Hälfte – oder noch besser auf zwei Drittel – seines Sparvermögens verzichten, wären die Zinsen ruckzuck wieder positiv – wetten?

          Und genau um diese Zusammenhänge zu erkennen, ist es wichtig, dass man eben nicht Äpfel mit Birnen vergleicht.

          Herrn Huber außerdem zu unterstellen, er vergleiche in seinem Aufsatz den Istzustand mit einem idealtypischen „freien Markt“, geht m. E. vollkommen an der Realität vorbei. Denn gerade Herr Huber gehört zu denjenigen, die das Gegenteil wollen: Er will mit seiner Monetative einen derzeit zumindest teilweise freien Markt, nämlich den der Geldschöpfung der Geschäftsbanken, in einen weitaus regulierteren und damit viel „unfreieren“ Markt überführen. In diesem rein planwirtschaftlichen Markt hätte dann nur noch die „Monetative“ das staatsmonopolistische Recht, Geld herzustellen. Man sollte also vorsichtig sein, was man aus Herrn Hubers Worten herauszulesen versucht.

          Herzlicher Gruß
          Raimund Brichta

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