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Gepostet by on Juni 21, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Können Notenbanken pleite gehen?

Leser unseres Buches wissen, dass auch Notenbanken pleite gehen können – auch wenn dies anders genannt werden mag. Aber noch hat sich diese Erkenntnis nicht überall herumgesprochen, wie dieses Interview zeigt. Ein Gespräch mit Philipp Vorndran von der Flossbach von Storch AG.

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Gepostet by on Juni 06, 2017 in Allgemein | 6 Kommentare

Wieso gibt es einen Wachstumszwang im Geldsystem?

Unserem aufmerksamen Leser Timm Gudehus ist es immer noch nicht klar, warum es einen Wachstumszwang im Geldsystem gibt. In meiner Antwort auf seine neueste Zuschrift versuche ich deshalb, dies ein weiteres Mal zu erklären. Ich bin gespannt, ob es nun verständlich genug ist.

Wenn nicht, bitte ich Sie, lieber Herr Gudehus, oder auch die anderen Leser dieses Blogs, noch einmal nachzufragen.

Aber der Reihe nach: Zunächst die Zuschrift von Herrn Gudehus und danach meine Antwort.

Timm Gudehus:

Lieber Herr Brichta,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort auf mein letztes e-mail. Ich habe über Ihre Ausführungen länger nachgedacht und stimme Ihnen in vielen Punkten zu. Meine teilweise abweichende Beurteilung der Auswirkungen des heutigen Geldsystems ist vor allem auf den paradoxen Begriff „Giralgeld“ zurückzuführen:

Wir stimmen darin überein, dass „Giralgeld“ ein jederzeit einlösbares „Zahlungsversprechen“ der kontoführenden Bank zur Auszahlung von gesetzlichem Geld an den Girokontoinhaber ist und zugleich – durch Übertragung auf andere Konten – als allgemeines „Zahlungsmittel“ akzeptiert wird, ohne gesetzliches Geld zu sein. Kurz gesagt: Giralgeld ist sowohl Zahlungsmittel wie auch Zahlungsversprechen, also eine Forderung. Wer eine Schuld mit Giralgeld begleicht, löst ein Zahlungsversprechen durch ein anderes Zahlungsversprechen ab. Der Gläubiger erhält statt eines Zahlungsversprechens seines bisherigen Schuldners das Zahlungsversprechen einer Bank als neuen Schuldner.

Die Paradoxie der Doppeldeutigkeit, Ambivalenz oder Dualität des Giralgeldes ist die tiefere Ursache vieler Mißverständnisse und Fehlschlüsse bei Diskussionen über das bestehende Geldsystem. Sie verleitet zu Missbrauch und führt zu Rechtsunsicherheit, Ungewissheit, irrationalem Verhalten und Instabilität. Auch die Rechtsprechung kann dieses Paradoxon nicht lösen. Sie bezeichnet die Erfüllung einer Zahlungsverpflichtung durch Übertragung von Giralgeld als Gegenleistung „an Erfüllung statt“, läßt aber offen, ob es sich dabei um eine „Zahlung“ handelt oder nicht.

Mit den Paradoxien haben sich Philosophen, Logiker und Mathematiker schon seit Jahrhunderten beschäftigt. Sie haben ergründet, welche Probleme und Widersprüche aus einer Paradoxie resultieren können (s. WiKi „Paradoxa“). Das zeigt auch unsere Diskussion über das heutige Geldsystem. Betrachten Sie z.B. meine von Ihnen kritisierte Aussage:

„Beim Verkauf einer Immobilie oder anderer Sachwerte an eine Bank wird neues Giralgeld erzeugt ohne dass sich der Forderungsbestand ändert.“

Diese Aussage wäre richtig, wenn Giralgeld Zahlungsmittel und kein Zahlungsversprechen ist. Sie wäre falsch, wenn Giralgeld ein Zahlungsversprechen, d.h. Forderung an eine Bank, ist und kein Zahlungsmittel. Da Giralgeld sowohl Zahlungsmittel wie auch Forderung ist, ist die Aussage unentscheidbar. Sie haben also mit Ihrer Kritik recht und zugleich unrecht. Daher müssen wir wohl einige unserer Kontroversen auf sich beruhen lassen.

Abschließend noch meine Stellungnahme zu dem von Ihnen diagnostizierten „monetären Wachstumszwang“, d.h. dem anscheinend unaufhaltsamen Wachstum des Geldvermögens im heutigen Geldsystem. Wegen der nahezu unbegrenzten Möglichkeit der Geschäftsbanken zur der Giralgeldschöpfung erleichtert und verführt das heutige Geldsystem zur anhaltenden Kreditaufnahme, die wiederum zum permanenten Wachstum des Geldvermögens führt. Es zwingt aber niemanden, sich zu überschulden. In einem solide wirtschaftenden Gemeinwesen, wie die Schweiz oder derzeit auch Deutschland, in dem Unternehmen, Banken, Haushalte und Staat der Versuchung zur permanenten Neuverschuldung widerstehen, ist das Wachstum des Geldvermögens auf das Wirtschaftswachstum beschränkt und das heutige Geldsystem durchaus stabil.

Es ist auch selbstkorrigierend, wenn auch schmerzhaft, in Gemeinweisen, die sich endlos neu verschulden bis ihre Schuldentragfähigkeit überschritten ist Dann kommt es zu Forderungsausfällen und zur massiven Schrumpfung des Geldvermögens. Ein anderer Ausweg – insbesondere bei Überschuldung des Staates – ist die Schuldenverwässerung durch Geldentwertung, also ansteigende Inflation. Ob und wieweit Inflation durch die Zentralbank stimuliert werden kann, etwa duch QE, ist eine offene Frage. Diesbezüglich verweise ich auf meine Geldbroschüre.

Eine Zentralbank kann nicht Pleite gehen. Sie kann auch mit negativem Eigenkapital weiter bestehen. Eine gesetzliche Nachschußpflicht des Staates zur Auffüllung des Eigenkapitals der Zentralbank aus Steuergeldern gibt es nicht. So hatte die Zentralbank von Chile über viele Jahre ein negatives Eigenkapital.

Lieber Herr Brichta, ich danke Ihnen für den anregenden Gedankenaustausch, aus dem ich einiges gelernt habe.
Herzliche Grüße
Ihr
Timm Gudehus

Raimund Brichta:

Lieber Herr Gudehus,

es bereitet mir immer wieder Freude, mit Ihnen zu diskutieren. Auf hohem Niveau und dennoch so unverkrampft – das erlebe ich nicht oft. Und deshalb ist es mir auch jetzt ein Vergnügen, auf Ihre Anmerkungen zu antworten.

Über die Probleme, die aufgrund der Tatsache entstehen, dass unser heutiges Geld ein Schuldgeld ist, sind wir uns einig.

Widersprechen möchte ich Ihnen jedoch in der Einschätzung Ihrer folgenden Aussage:

„Beim Verkauf einer Immobilie oder anderer Sachwerte an eine Bank wird neues Giralgeld erzeugt, ohne dass sich der Forderungsbestand ändert.“

Sie argumentieren, diese Aussage wäre richtig, wenn Giralgeld
Zahlungsmittel und kein Zahlungsversprechen wäre. Dem entgegne ich, selbst wenn es so wäre, wäre die Aussage nicht richtig. Denn dann würde bei einem Verkauf einer Immobilie an eine Bank gar kein neues Giralgeld erzeugt.

Dies entsteht im gegenwärtigen System ja nur dadurch, dass die Bank die Immobilie in die Aktivseite ihrer Bilanz hineinnimmt und gleichzeitig in die Passivseite eine entsprechend hohe Verbindlichkeit einstellt, nämlich das neu erzeugte Giralgeld. Im Fachjargon wird dieser Vorgang Bilanzverlängerung genannt.

Würde die Einstellung der Verbindlichkeit auf der Passivseite entfallen, gäbe es auch kein neues Giralgeld. Es könnte sich dann allenfalls um einen Tausch auf der Aktivseite handeln, d.h. die Bank würde dort ihren Bestand an Zahlungsmitteln/Giralgeld reduzieren und den Bestand an Immobilien entsprechend erhöhen.

Und nun zum Wachstumszwang: Selbstverständlich trägt auch der von Ihnen genannte Faktor, die nahezu unbegrenzte Möglichkeit zur Giralgeldschöpfung, zum Wachstum bei. Das haben wir auch im Buch so beschrieben. Daneben gibt es aber einen ganz anderen wichtigen Sachverhalt. Um den zu erkennen, müssen Sie sich nur die Art und Weise der Geldschöpfung vor Augen halten und in Zusammenhang bringen mit der Tatsache, dass es das Bestreben nach Geldvermögensbildung gibt. Dann ergibt sich dieser Wachstumszwang schon rein denklogisch.

Aber der Reihe nach:

1.
Das Bestreben nach Vermögensbildung ist zunächst einmal ein generelles, es bezieht sich nicht nur auf Geld-, sondern auch auf Sachvermögen. Das Geldvermögen spielt dabei jedoch eine besondere Rolle. Denn Geldvermögen ist, sofern es sich um Zahlungsmittel handelt, die man anhäuft, jederzeit liquide. Und sofern es sich um Forderungen handelt, verspricht es sichere Zinserträge, zumindest in normalen Zeiten. Darüber hinaus ist Geldvermögen viel leichter vermehrbar als zum Beispiel Sachvermögen. Das alles sorgt dafür, dass Geldvermögen im Bestreben nach Vermögensbildung und -mehrung schon seit jeher eine dominierende Rolle einnimmt.

2.
Dies vorausgeschickt, betrachten wir die weiteren Zusammenhänge jetzt anhand der zusammengefassten Bilanz aller Banken, die wir auch im Buch schon beispielhaft verwendet haben. Anhand dieser lässt sich der Zwang nämlich sehr gut veranschaulichen. Zinszahlungen lassen wir zunächst außer Acht.

Sie wissen, dass das Giralgeld auf der rechten Bilanzseite hauptsächlich nur dadurch entsteht, dass die Banken Kredite gewähren. Deshalb stehen dem Giralgeld rechts in etwa gleich hohe Forderungen der Banken an ihre Schuldner auf der linken Bilanzseite gegenüber. Beides, Giralgeld und Forderungen der Banken, sind also nur zwei Seiten derselben Medaille. Werden Forderungen auf der linken Bilanzseite getilgt, verschwindet auch Giralgeld rechts in entsprechender Höhe.

Das Giralgeld wird nun munter zwischen den Konten der Millionen von Bankkunden auf der rechten Bilanzseite hin- und hergebucht. Es ist „in Umlauf“. Und das ist auch gut so. Denn so ist gewährleistet, dass es irgendwann – im Rahmen der wirtschaftlichen Tätigkeit – auf den Konten derjenigen Kunden landet, die die Forderungen der Banken zu bedienen haben. Diese brauchen das Giralgeld ja, um ihre Schulden tilgen zu können.

Und jetzt kommt die Geldhortung ins Spiel, die Sie auch Geldvermögensbildung nennen können: In dem Maße, wie Giralgeld auf den Konten der Geldvermögensbesitzer gehortet wird, kann dieses Geld – rein saldenmechanisch – nicht mehr auf die Konten der Schuldner gelangen. Denn durch die Hortung ist es dem Kreislauf – und damit den Schuldnern – entzogen. Es ist quasi stillgelegt.

Der Giralgeldbestand auf der rechten Bilanzseite teilt sich also auf in einen stillgelegtenTeil, der wächst, und einen Teil, der sich noch in Umlauf befindet, welcher schrumpft (ceteris paribus). Mit der Zeit entstünde so ein Ungleichgewicht zwischen dem Bestand an in Umlauf befindlichem Giralgeld, der abnimmt, auf der rechten Bilanzseite und den Forderungen links, die unverändert hoch bleiben. Da ein immer größer werdender Teil des bestehenden Giralgeldes blockiert wäre, stünde den Schuldnern immer weniger Geld zur Bedienung ihrer Schulden zur Verfügung. Sie hätten gar keine Chance mehr in den Besitz dieses Geldes zu kommen. Eine Pleitewelle wäre die Folge.

Diese Zusammenhänge ergeben sich aus der rein monetär-saldenmechanischen Betrachtung, unabhängig von realwirtschaftlichen Vorgängen. Und daraus ergibt sich auch der Wachstumszwang: Denn durch diesen Sachverhalt entsteht die unabdingbare Notwendigkeit, dass neues Geld in den Kreislauf gepumpt wird, um die stillgelegten Beträge zumindest auszugleichen, damit das System nicht kollabiert.

Genau dies geschieht in der Realität. Die Banken schöpfen durch zusätzliche Kreditvergaben zusätzliches Geld (und zusätzliche Schulden). Da die Kreditnehmer dieses Geld in der Regel zeitnah ausgeben, kommt es auch rasch in Umlauf. Im Lauf der Zeit werden im normalen wirtschaftlichen Kreislauf Teile dieses Geldes aber wieder gehortet, so dass der erneute Bedarf an zusätzlichem Geld entsteht, usw. usw.

All dies geschieht selbstverständlich nicht unter offenem Zwang, weshalb Sie sich möglicherweise so sehr gegen den Begriff Wachstumszwang wehren. Vielmehr tätigen die Wirtschaftssubjekte all diese Geschäfte freiwillig. Trotzdem besteht dieser Zwang im Hintergrund. Würde ihm nicht gefolgt, würde das System kollabieren.

Und genau deshalb beschreiben wir in unserem Buch den Druck, der von den wachsenden Geldvermögensbeständen auf der Passivseite der Bankbilanzen ausgeht.

3.
Dieser Druck wird durch Zins und Zinseszins verstärkt, weil auch Zinserträge niemals vollständig wieder ausgegeben und damit in den Kreislauf zurückgeführt werden. Sondern ein Teil der Zinserträge wird stets wieder angelegt und damit ebenfalls dem Kreislauf entzogen.

4.
Das, was Sie „Verführung zur Kreditaufnahme“ nennen, ist eine systembedingte Notwendigkeit, die ich oben beschrieben habe. Die einzelnen Individuen mögen zwar alle freiwillig handeln, fest steht aber, dass das System ins Wanken gerät, wenn sie nicht so handeln, wie es für den Systemerhalt erforderlich ist.

5.
Die steigenden Geldvermögen, die Sie lediglich als Folge der steigendenden Kreditaufnahme ansehen, sind viel mehr als eine bloße Folge. Sie sind auch eine Ursache und Triebfeder des Systems. Denn Geldvermögensbesitzer verzichten niemals freiwillig auf Ihr Geldvermögen und auch nicht darauf, dies zu vermehren. Sie können dazu nur gezwungen werden – und sei es mit Negativzinsen.

Selbstverständlich gibt es auch Phasen, in denen das Geldvermögenswachstum besonders stark von der Verschuldungsseite angetrieben wird. Aber anders als auf der Geldvermögensseite gibt es auf der Verschuldungsseite keinen systemimmanenten Wachstumszwang. Da stimme ich Ihnen sogar zu. Auf der Vermögensseite gibt es diesen jedoch, wie oben beschrieben.

6.
Vehement widersprechen möchte ich Ihnen auch in Ihrer Behauptung, dass sich in Deutschland das Wachstum des Geldvermögens auf das Wirtschaftswachstum beschränkt. Ich weiß, dass es hier an offiziellen Statistiken mangelt, weil die Bundesbank keine sauberen Geldvermögensstatistiken veröffentlicht. Aber im Buch haben wir in Anhang 8 den Nachweis erbracht, dass die Kontoeinlagen bei allen Banken in Deutschland seit 1948 um durchschnittlich 10,8 Prozent pro Jahr gewachsen sind.

Diese Kontoeinlagen stellen zwar nur einen Teil des gesamten Geldvermögens dar, aber unzweifelhaft einen bedeutenden Teil. Und das Wachstum dieses Teils (10,8% p.a.) betrug in den vergangenen Jahrzehnten weit mehr als das Doppelte des Wirtschaftswachstums. Da hätten die anderen Teile des Geldvermögens schon beträchtlich schrumpfen müssen, um das Wachstum der gesamten Geldvermögen auf die durchschnittliche Wirtschaftswachstumsrate zu reduzieren.

Das Gegenteil ist aber der Fall: Auch die anderen Bestandteile des Geldvermögens sind in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen.

Damit wird klar: Selbst in einem so stabilen Land wie Deutschland wachsen die Geldvermögen weitaus stärker als die Realwirtschaft. Wäre dies nicht der Fall, gäbe es auch eine Reihe der Probleme nicht, die Sie ebenfalls in den zurückliegenden Jahrzehnten beobachtet haben.

7.
Die langfristige Konsequenz aus all dem, die auch Sie ansprechen, nämlich Forderungsausfälle und damit Vernichtung von Geldvermögen, entspricht doch genau dem, was ich nicht müde werde zu wiederholen: Langfristig müssen die Geldvermögensbestände im Rahmen von Krisen immer wieder reduziert werden. Und das passiert ja auch von Zeit zu Zeit.

Die Inflation – und auch dies leite ich im Buch her – ist da keine Lösungsmöglichkeit. Selbst nach der Hyperinflation der 20er-Jahre war zur Bereinigung eine abschließende Währungsreform nötig. In einer solchen Währungsreform wird im Prinzip nichts anderes gemacht als das, was Sie mit Forderungsausfällen und Vernichtung von Geldvermögen beschreiben: Es werden sowohl Forderungen als auch Schulden gestrichen.

8.
Dass Sie am Ende noch locker behaupten, eine Zentralbank könne nicht pleite gehen, wundert mich schon sehr. Wieder einmal muss ich annehmen, dass Sie unser Buch in dieser Hinsicht nicht richtig gelesen haben. Denn dort leiten wir genau her, in welchen beiden Fällen eine Zentralbank sehr wohl pleite gehen kann.

Bitte lesen Sie also noch einmal das Kapitel „Gottesspieler oder Sagenhelden?“ ab S. 75 durch und prüfen die dort gebrachten Argumente. Wenn Sie dann selbst Argumente finden sollten, die unsere Argumente widerlegen, lassen Sie es mich bitte wissen. In diesem Fall würde ich das Kapitel auf jeden Fall überarbeiten! Bis jetzt sehe ich allerdings keine Veranlassung dazu.

Herzlicher Gruß
Raimund Brichta

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Gepostet by on Mai 31, 2017 in Allgemein | Keine Kommentare

Geht der Euro unter?

Der Autor des heutigen Wirtschafts-Leitartikels in der FAZ könnte unser Buch gelesen haben. Denn er fasst die Konstruktionsfehler des Euro exakt so zusammen wie wir im Buch. Wörtlich schreibt er:

„Jede Reformüberlegung hat seit Beginn der Währungsunion ihren Ausgangspunkt in deren Konstruktionsfehlern. Die realwirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Eurostaaten sind zu groß; die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit lassen sich nicht mehr durch die Wechselkurse ausgleichen. Theoretisch wäre stattdessen ein Finanzausgleich nötig. Dieser lässt sich aber nicht legitimieren, da die Währungsunion – und das ist theoretisch der zweite Fehler – ohne politische Union konstruiert ist.“

Zum vollständigen Artikel geht es hier:
Wie geht es weiter mit dem Euro

Langsam, sehr langsam scheinen also die Zusammenhänge selbst in den Mainstream-Medien verstanden zu werden. Allerdings ist es noch ein weiter Weg, bis daraus auch die richtigen Schlüsse gezogen werden. Diese lauten nämlich in letzter Konsequenz: Entweder der Euro geht unter, oder es werden die Vereinigten Staaten von Europa gegründet. Ich wette auf Ersteres.

Mehr dazu im Kapitel „Reif für die Goldene Zitrone“ in unserem Buch ab Seite 151.

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Gepostet by on Mai 09, 2017 in Allgemein | 4 Kommentare

Inflation und Umlaufgeschwindigkeit werden nicht richtig gemessen

Darüber bin ich mit Professor Schnabl von der Uni Leipzig einig, nachdem wir uns kurz über seinen jüngsten FAZ-Beitrag ausgetauscht haben.

Hier sein Beitrag:

Die Inflation wird nicht richtig gemessen

Und hier unser Austausch darüber:

Raimund Brichta:

Guten Tag, Herr Schnabl,

mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag in der FAZ gelesen, der sich im Prinzip mit Erkenntnissen deckt, die ich in meinem Buch „Die Wahrheit über Geld“ niedergeschrieben habe.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der Idee, der herkömmlichen Quantitätsgleichung einfach eine zweite Gleichung an die Seite zu stellen? In dieser würde lediglich Y ausgetauscht durch eine Größe, welche die Summe aller an den Finanz- und Immobilienmärkten umgesetzten Einheiten enthält.

Gunther Schnabl:

Das ist ein interessanter Gedanke. Allerdings könnte es schwierig sein, die im Finanzsektor produzierten Güter- und Dienstleistungen real zu messen. Die hohen Produktivitätsgewinne in den USA nach der Jahrtausendwende waren insbesondere hohen „Produktivitätsgewinnen“ im Finanzsektor geschuldet, die sich als Blase herausstellten.

Alternativ könnte man den Preisindex um Vermögenspreise erweitern oder das Wachstum der Geldbasis am realen Wachstum ausrichten.

Raimund Brichta:

was die Messbarkeit anbelangt, gebe ich Ihnen vollkommen recht. Aber rein gedankenlogisch wäre es m. E. der richtige Ansatz.

Damit ließe sich vermutlich auch ein Teil der rückläufigen Umlaufgeschwindigkeit erklären. Denn der Teil der Transaktionen, der an den Finanzmärkten erfolgt, wird nach herkömmlicher Methode gar nicht gemessen. Das Resultat ist eine sinkende Umlaufgeschwindigeit, die in dieser Hinsicht zur statistischen Restgröße wird.

Gunther Schnabl:

Das ist der Tat so. Theoretisch ist die Umlaufgeschwindigkeit die Restgröße, mit der die Quantitätsgleichung immer erfüllt ist. Allerdings ist das auch banal (wie Sie richtig anmerken), insbesondere dann, wenn die Inflationsmessung auf willkürlichen Annahmen beruht.

Schöne Grüße

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