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Gepostet by on Februar 25, 2019 in Allgemein | 4 Kommentare

Das neue Normal

Nun hat die US-Notenbank bestätigt, dass sie noch in diesem Jahr ihr Experiment des Bilanzabbaus stoppen wird. Im Protokoll der Notenbankratssitzung von Ende Januar, das vergangene Woche veröffentlicht wurde, heißt es etwas verquer:

„Fast alle Teilnehmer hielten es für wünschenswert, in nicht allzu ferner Zukunft einen Plan bekannt zu geben, der darauf abzielt, den Abbau der Vermögenswerte der Federal Reserve im Laufe dieses Jahres einzustellen.“

Notenbanker müssen sich offenbar so umständlich ausdrücken. Aber man kann trotzdem herauslesen, was sie damit meinen. Sie bekommen ganz offensichtlich kalte Füße, nachdem sie die Notenbank-Bilanzsumme von 4,5 Billionen auf gerade mal knapp 4 Billionen leicht abgeschmolzen haben.

Dabei hatte man das ganze Programm ursprünglich etwas großspurig als „balance sheet normalization program“ angekündigt, also als Programm zur Normalisierung der Notenbankbilanz. Und noch im vergangenen Dezember hatte Notenbankboss Powell angekündigt, er werde den Abbau 2019 unverdrossen weiter betreiben.

Zur Erinnerung: Das Normalniveau vor der Finanzkrise lag im August 2007 bei 0,87 Billionen $. Demnach wäre nun ein neues Normal bei knapp 4 Billionen erreicht.

Quelle: https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/bst_recenttrends.htm

Für Leser dieses Blogs dürfte dies keine Überraschung sein. Denn ich hatte mehrmals darauf hingewiesen, welche Konsequenzen es hätte, wenn die Notenbankbilanzen wieder merklich schrumpfen würden. Zuletzt in diesem Beitrag.

Die darin genannten Hintergründe scheinen aber nur wenigen Menschen klar zu sein. Der Mainstream-Presse zum Beispiel fällt als Begründung für Powells Kehrtwende lediglich eine drohende Konjunkturabkühlung ein.

So heißt es in der FAZ: „Die neue ‚geduldige’ Geldpolitik reflektiert die Unsicherheit der Notenbanker über die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten und wichtiger Handelspartner.“

(Quelle: https://edition.faz.net/faz-edition/finanzen/2019-02-22/e5c849c4b3fec7b65f7d3c228b89c400/?GEPC=s9)

Sollte also eine normale konjunkturelle Schwankung ausreichen, um die – vermeintlich viel wichtigere – Grundsatzaufgabe der „Normalisierung“ der Notenbankbilanz stoppen können? Dies erscheint mir unglaubwürdig und am Kern des Problems vorbeizugehen. Schließlich sind Konjunkturschwankungen etwas ganz Normales.

Wären die aufgeblähten Notenbankbilanzen tatsächlich nur eine vorübergehende und abnormale Erscheinung, die wieder rückgängig gemacht werden müsste, dürfte sich dieser Prozess nicht durch eine solche Schwankung aufhalten lassen.

Die Aufblähung war vielmehr eine unabdingbare Maßnahme, um den Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Oder besser gesagt: Um diesen Zusammenbruch weiter in die Zukunft zu verschieben.

Das heißt: Um das System am Laufen zu halten, muss die Aufblähung dauerhaft sein. Mehr noch: Spätestens in der nächsten Krise müssen die Notenbankbilanzen weiter aufgebläht werden.

Aber selbst Leute wie Bundesbankpräsident Weidmann müssen das offenbar noch lernen. Weidmann setzt sich dafür ein, dass die Europäische Zentralbank ihre Bilanz wieder schrumpft und auf Normalmaß zurückführt. Er behauptet, ansonsten drohten Folgen wie bei einer zu langen künstlichen Beatmung eines Patienten –  die Atemmuskeln erschlafften. Deshalb dürfe man die künstliche Beatmung nicht unnötig in die Länge ziehen.

Für den menschlichen Organismus mag das gelten. Für den monetären Organismus gilt es nicht. In dem Stadium, in dem sich unser Finanzsystem befindet, würde Weidmanns Rezept vielmehr zum Kollaps führen. Wieso versteht er das nicht?

Unter diesen Umständen ist es gar nicht so schlimm, dass Kanzlerin Merkel ihm die Unterstützung bei der Kandidatur zum Amt des EZB-Präsidenten entzogen hat,

meint Ihr

Raimund Brichta

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Gepostet by on Februar 13, 2019 in Allgemein | 2 Kommentare

Großes Kino der Notenbanken

In den vergangenen Tagen wurde ich mehrfach gebeten zu präzisieren, warum der von der Fed eingeschlagene Weg der Bilanzkürzung meiner Ansicht nach in eine Sackgasse führt. Diesem Wunsch komme ich hiermit gerne nach:

Kann man von Notenbankern stets erwarten, dass sie wissen, was sie tun? Zweifel daran sind angebracht. Vor allem bei folgendem Vorgehen stochern die Währungshüter weitgehend im Nebel: Sie wissen nicht, ob sie die Bilanzen der Notenbanken wieder schrumpfen lassen können, nachdem diese seit der Finanzkrise stark aufgebläht wurden.

Janet Yellen, Ex-Chefin der amerikanischen Notenbank, tat allerdings so, als ob sie es wüsste. Sie behauptete, die von ihr 2017 angestoßene Schrumpfung der US-Notenbankbilanz werde wahrscheinlich genauso langweilig verlaufen, wie wenn man Farbe beim Trocknen zusehe. Das sollte soviel heißen wie: alles kein Problem.

Ihr Nachfolger Jerome Powell schaute dieser Schrumpfung tatsächlich eine Zeitlang gelangweilt zu. Inzwischen scheinen ihm aber Zweifel zu kommen. Vor Kurzem deutete er zumindest seine Bereitschaft an, beim Schrumpfen auf die Bremse zu treten.

Ob er dies aus Überzeugung tat oder lediglich von den Finanzmärkten dazu getrieben wurde, sei dahingestellt. Nach meiner Einschätzung hätten die Bilanzkürzungen der Notenbanken jedenfalls viel aufregendere Folgen als trocknende Farbe.

Um das zu erkennen, muss man sich vergegenwärtigen, warum die Bilanzen überhaupt erst aufgebläht wurden. Die gängigste Erklärung lautet: Um die Zinsen niedrig zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln. Die EZB wiederum nannte als Hauptgrund, sie wolle die Inflationsrate auf nahe 2 Prozent anheben.

Doch egal, welche der gebräuchlichen Begründungen man nimmt, sie treffen alle nicht den Kern und lenken von einem wesentlichen Sachverhalt ab: Der eigentliche Nutzen bestand darin, das Finanzsystem zu stützen, welches durch immer höhere Schulden immer fragiler geworden war. Dies gelang dadurch, dass die Zentralbanken einen Teil der ausstehenden Schulden in ihre Bilanzen übernahmen. Im Gegenzug pumpten sie Zentralbankgeld in die Märkte und sorgten damit für größere Systemsicherheit. Denn das Geld der Zentralbank gilt als einer der sichersten Geldvermögenswerte, die es gibt. Viel sicherer jedenfalls als das Geld, das die Geschäftsbanken ihrerseits ausgeben.

Damit stützten die Zentralbanken das brüchige Fundament eines wackeligen Hauses. Das Haus wurde stabiler.

Die entscheidende Frage ist nun, ob dieser Stabilisator nicht mehr benötigt wird. Nur dann könnten die Notenbanken problemlos ihre Bilanzen schrumpfen. Und nur dann wäre dieser Vorgang tatsächlich so langweilig anzusehen wie Yellen behauptet.

Dies ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Gründe für die Instabilität haben sich sogar verstärkt. Die Verschuldung – Hauptauslöser der Finanzkrise – ist weiter gestiegen. Sie liegt jetzt weltweit mehr als 30 Prozent höher als vor der Krise. Das Haus braucht die Stütze also mehr denn je.

Dazu kommt die Frage, wer überhaupt den weltweiten Schuldenanstieg stoppen könnte, wenn selbst ein so großes Schadensereignis wie die Finanzkrise dies nicht vermocht hat? Auch hier liegt die Antwort auf der Hand: Niemand kann es. Denn unser System basiert darauf, dass die Schulden immer weiter wachsen. Die Hintergründe dafür hatte ich mehrfach beschrieben. Sie sind zum Beispiel hier nachzulesen.

Damit bedarf es keiner hellseherischen Gabe um vorherzusagen, dass die globalen Schulden auch in den nächsten Jahren weiter wachsen werden. Und da wachsende Schulden das System noch fragiler machen werden, wird sogar mehr statt weniger Zentralbankhilfe nötig sein. Im Klartext: Die Bilanzen der Zentralbanken werden in Zukunft eher weiter wachsen statt kleiner werden. Vorübergehende Schrumpfungsversuche lenken allenfalls vom Wesentlichen ab. Spätestens in der nächsten Krise wird es wieder nach oben gehen.

Und Frau Yellen sollte sich lieber mal einen alten Schinken ankucken, statt auf trocknende Farbe zu starren. Zum Beispiel den: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ – mit James Dean in der Hauptrolle. Darin sieht sie auch, was passiert, wenn man zu spät auf die Bremse tritt,
meint Ihr Kinofreund
Raimund Brichta

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Gepostet by on September 14, 2018 in Allgemein | Keine Kommentare

Die nächste Krise kommt bestimmt

Die Frage ist nur, wann? Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite diskutieren Dirk Müller und ich darüber, ob so etwas wieder passieren kann – und wenn ja, wann? Wie sollte man sich persönlich auf solche Krisen einstellen?

Meine Kollegin Frauke Holzmeier moderiert den Talk.

Die Schweigeminute am Anfang ist dem Gedenken an die Lehmann Brothers gewidmet ???

10 Jahre Lehman-Pleite: Diskussion mit Raimund Brichta und Dirk Müller.

Gepostet von ntv Telebörse am Freitag, 14. September 2018

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Gepostet by on Juni 21, 2018 in Allgemein | Keine Kommentare

Geld her für den Euro

Angela Merkel will das Scheckbuch für den Euro zücken. Zusammen mit Emmanuel Macron will sie für einen gemeinsamen Euroraum-Haushalt kämpfen. Der würde dann zu einem guten Teil mit Geld aus Berlin gespeist. Und Merkel sagt auch gleich, wofür sie das Geld hauptsächlich auszugeben gedenkt: für Geldspritzen an Länder in Not und für Investitionen in den ärmeren Euro-Ländern.

Damit trifft sie den Kern des Europroblems. Denn eine Währungsunion zwischen so unterschiedlichen Wirtschaftsräumen hat nur dann eine Überlebenschance, wenn die Schwachen Stütze kriegen von den Starken. Es muss also Geld fließen, solange es die wirtschaftlichen Unterschiede gibt. Sonst fällt der Euro. Das lernt man schon als Ökonomiestudent an der Uni.

Die wenigsten Politiker haben aber Ökonomie studiert. Deshalb sperren sich die ersten von ihnen schon gegen die gemeinsamen Haushaltspläne, wollen aber gleichzeitig den Euro erhalten. Das geht nicht. Man kann den Euro nicht behalten, ohne für ihn zu bezahlen.

Wenn der Euro sprechen könnte, würde er jetzt in Richtung Berlin rufen: Geld her, oder ich fall um. Gebt es ihm, oder lasst ihn fallen,

meint Ihr
Raimund Brichta

Quelle:

https://www.teleboerse.de/kolumnen/Geld-her-fuer-den-Euro-article20491057.html

 

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