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Gepostet by on September 27, 2019 in Allgemein | Keine Kommentare

Negativzinsen sind die Altersdemenz unseres Geldsystems

Die Negativzinsen bringen die Mainstream-Ökonomie ganz schön ins Schwitzen. Mich nicht, denn die Hintergründe dafür sind mir nur allzu bekannt. Meine Leser informiere ich darüber seit Jahren.

Damit bin ich zwar ein einsamer Rufer, der kein Gehör findet, aber das stört mich nicht. Es belustigt mich eher. Denn es zeigt, wie ahnungslos eine ganze Gilde so genannter Experten sein kann.

Heute früh hatte ich beim Obst schnippeln wieder einen solchen belustigenden Moment: Da sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbandes im Deutschlandfunk, Negativzinsen seien eine Anomalität, eine Ausnahmesituation. Und er schob nach: „Wir kennen eigentlich in den Lehrbüchern keine negativen Zinsen“. Damit wollte er wohl dem letzten Zweifler klarmachen, dass es solche Minuszinsen „eigentlich“ nicht geben darf.

Die meisten Zuhörer hat er damit vermutlich überzeugt. Kein Wunder, sie sind schließlich Laien, die es nicht besser wissen können. Für mich war es dagegen lustig. Ich dachte daran, dass die Lehrschriften über Jahrhunderte die Erde auch als Scheibe kannten und nicht als Kugel. Oder dass vom menschengemachten Klimawandel in den Lehrbüchern „eigentlich“ nichts zu lesen war, bis dieser eintrat.

Mit den Lehrbüchern ist das nämlich so eine Sache: Die Tatsache, dass man in ihnen etwas nicht kennt, bedeutet nicht, dass es dieses Etwas nicht gibt. Unser Buch „Die Wahrheit über Geld“ ist auch kein Lehrbuch. Aber da steht die Sache mit den Negativzinsen schon seit 6 Jahren drinnen.

Im Prinzip ist es ganz einfach: Negativzinsen sind eine Alterserscheinung unseres Geldsystems. Bisher gab es sie nicht, weil das Gebilde aus wachsenden Geldvermögen und wachsenden Schulden nie so alt werden konnte wie jetzt. Früher brach es stets rechtzeitig zusammen.

Inzwischen haben die Notenbanken mit ihren Geldspritzen aber eine Medizin erfunden, die den Zusammenbruch verhindert – oder sagen wir: ihn aufschiebt.

Das Ganze ist also vergleichbar mit dem Fortschritt in der Medizin. Er sorgt dafür, dass wir alle älter werden. Damit sorgt er aber auch dafür, dass es Erscheinungen gibt, die es früher nicht gab. Zum Beispiel war Altersdemenz früher nur deshalb kein großes Thema, weil die Leute nicht so alt wurden, um in Massen dement zu werden. Jetzt ist das anders.

So gesehen sind die Negativzinsen die Altersdemenz des Geldsystems. Sie sind unvermeidbar, so lange das System im Alter weiter lebt.

Aber das könnt Ihr in keinem Lehrbuch lesen, sondern nur hier,

meint Euer Raimund

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Gepostet by on September 08, 2019 in Allgemein | 4 Kommentare

Die Wahrheit über Zinsen

Wie verbreitet die  Missverständnisse über unser Geldsystem sind, zeigt folgende Bemerkung von Prof. Joseph Huber, der die Vollgeldbewegung „Monetative“ in Deutschland ins Leben gerufen hat. Huber schreibt:

„Da Zinsen an einem Markt von sich aus nicht unter die Nullzinsgrenze rutschen, …“

https://vollgeld.page/negativzins

Damit unterstellt er, die Marke null sei eine natürliche Untergrenze für den Zins, die allenfalls durch aktives Drehen der Notenbank an der Zinsschraube unterboten werden könne (wie in den letzten Jahren geschehen).

Stimmt nicht.  Wenn – wie hier mehrmals dargelegt – die Masse an vorhandenem Geldvermögen (das nach Anlage sucht) und die Masse an Schulden (die diesem Geldvermögen gegenüberstehen) groß genug ist (und außerdem systembedingt weiter wächst),  kann der Zinsdruck, der von der riesigen Masse an Sparvermögen ausgeht, sehr wohl dafür sorgen, dass die Zinsen am Markt von sich aus unter die Nullgrenze rutschen.

Denn genauso wie die Sparvermögen insgesamt wachsen, wächst innerhalb dieser Masse auch der Anteil desjenigen Sparvermögens, das nur bei den kreditwürdigsten Adressen angelegt werden soll, oft sogar nur dort angelegt werden darf. Die Nachfrage nach diesen Anlagen ist dann so groß, dass die betreffenden Geldvermögensbesitzer sogar Kosten in Form von Negativzinsen in Kauf nehmen. Hauptsache, sie haben eine „sichere“ Anlage.

Dazu kommt Folgendes: Solange der Zinstrend nach unten weitergeht, können diese Anleger mit Kursgewinnen auf ihre Anleihebestände rechnen, die sie für den Negativzins entschädigen. Verrückt, was?

Die Zusammenhänge sind eigentlich einfach. Deshalb verstehe ich nicht, warum sie von fast allen etablierten „Experten“ ignoriert werden.

Der Beitrag der Notenbanken besteht nur darin, dass sie die Geldvermögen mit ihren Eingriffen schützen. Sie lassen es damit nicht zu, dass diese Spargelder – bzw. große Teile davon – in einer monetären Krise vernichtet werden. Dies haben die Notenbanken seit der Finanzkrise gemacht, und sie werden nach meiner Einschätzung auch im vor uns liegenden Jahrzehnt so weitermachen.

Theoretisch könnten die Notenbanken natürlich gegensteuern. Sie könnten zum Beispiel die Leitzinsen erhöhen. Damit würden sie aber  ab einem bestimmten Punkt selbst die Krise auslösen, die sie eigentlich verhindern wollen.

Denn: Dem wachsenden Geldvermögensberg steht ein ebenso wachsendes Schuldenloch gegenüber. Viele dieser Schuldner würden pleite gehen, wenn die Zinsen stiegen. Über einen Dominoeffekt käme es dann zur besagten monetären Krise, die schließlich in einer realwirtschaftlichen Krise münden würde wie der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre .

Dann hätten wir die Bereinigung. Geldvermögen und Schulden wären in großem Stil vernichtet, und die Zinsen könnten danach auch wieder steigen. Das werden die Notenbanken aber nicht freiwillig zulassen,

wettet Ihr

Raimund Brichta

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Gepostet by on September 04, 2019 in Allgemein | Keine Kommentare

Sewings Irrtum

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat heute gesagt, die Niedrigzinsen ruinierten langfristig das Finanzsystem. Tatsächlich ist es  andersherum: Die Niedrigzinsen sind eine zwangsläufige Folge des Finanzsystems. Und sie verlängern eher dessen Lebensdauer, als dass sie es ruinieren. Richtig ist nur, dass das System langfristig auf seinen Ruin zusteuert – auch wenn dieser noch in weiterer Ferne liegt.

Die meisten Leser  dieses Blogs und die Leser unseres Buches wissen das. Solange selbst Leute wie Sewing es nicht wissen, gehören wir zu einem kleinen Kreis der Eingeweihten. Was wir draus machen, bleibt jedem selbst überlassen.

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Gepostet by on August 28, 2019 in Allgemein | Keine Kommentare

Die Parkgebühr fürs Geld wird zur Normalität

Jeder findet es selbstverständlich, wenn er für sein Auto eine Parkgebühr zahlen muss. Gegen eine Parkgebühr fürs Geld formiert sich dagegen heftiger Widerstand. Nichts anderes sind aber die Negativzinsen, über die so heiß diskutiert wird. Gerade erst hat eine Umfrage im Auftrag von RTL und n-tv gezeigt, dass eine Mehrheit der Deutschen es befürwortet, dass Negativzinsen verboten werden – so wie es Finanzminister Scholz gerade prüfen lässt.

Dabei werden sich Negativzinsen langfristig gar nicht vermeiden lassen. Darauf hatte ich schon 2013 hingewiesen und dafür von manchen Lesern heftigen Widerspruch geerntet. Nun kommt das Thema erneut auf, und es wird nicht das letzte Mal sein. Auch in 10 Jahren werden wir uns damit noch beschäftigen.

Dahinter steht die Erkenntnis, dass unser Geldsystem sich seinem Zusammenbruch nähert und die Niedrig- bzw. Negativzinsen ein Phänomen dafür sind. Sie sind gleichzeitig ein lebensverlängernder Mechanismus. Er wirkt darauf hin, dass sich der Zusammenbruch hinauszögert.

Grund dafür ist die Tasache, dass der Berg an Geldvermögen und das ihm gegenüberstehende Loch an Schulden ein Ausmaß erreicht haben, das an seine Grenzen stößt. Das riesige Schuldenloch kann nur noch dadurch aufrechterhalten werden, dass das Heer an Schuldnern Zinserleichterungen erhält. Ansonsten würden immer mehr Schuldner kollabieren und eine Kettenreaktion auslösen, die zum Zusammenbruch führt. Nur wenn die vom Kollaps bedrohten Schuldner weniger Zinsen zahlen müssen, kann ihr Kollaps aufgeschoben werden und das System erst einmal überleben.

Für die kreditwürdigsten Schuldner, zum Beispiel den deutschen Staat, bedeutet das, dass er gar keine Zinsen mehr zahlen muss. Im Gegenteil: Er bekommt sogar noch Zinsen dafür, wenn er sich Geld leiht. Diese Art von Negativzins gab es übrigens schon, bevor die EZB damit anfing, Strafzinsen von den Banken zu kassieren, die diese jetzt eventuell an uns Sparer weitergeben wollen.

Der Prozess in Richtung weiter fallender Zinsen wird unwiderruflich weitergehen und allenfalls durch vorübergehende Gegenreaktionen nach oben unterbrochen – so wie in den USA in den vergangenen beiden Jahren.

Gleichzeitig muss das System aus Geldvermögen und Schulden weiter wachsen (die Begründung dafür steht in unserem Buch). Es müssen also immer neue Schuldner gefunden werden. Und dabei kommt den kreditwürdigsten Schuldnern eine besondere Rolle zu: Je mehr sie von den neuen Schulden übernehmen, desto länger kann das System weiterleben, ohne zu kollabieren. Folgerichtig wächst derzeit der Druck auf die Bundesregierung – nach herkömmlichen Maßstäben einer der kreditwürdigsten Schuldner weltweit – wieder mehr Schulden zu machen.

Hier passt also eins eins zum anderen, wenn man die dahinter stehenden Wirkungszusammenhänge durchschaut. Deshalb war die vor Jahren mit viel Premborium geschaffene „Schuldenbremse“ von vornherein eine allenfalls vorübergehende Erscheinung, die früher oder später wieder eingemottet werden dürfte. Erste „Schafft-sie-ab-Forderungen“ gibt es bereits, und sie werden in den nächsten Jahren zunehmen, wetten? Vorher werden natürlich die „Spielräume“ genutzt werden, die selbst die Schuldenbremse zum Schuldenmachen bietet.

Fakt bleibt – und das schreibe ich schon seit Jahren: Der Staat kann sich in dieser systembedingten Geld-Schuldenspirale nicht dauerhaft als Schuldner zurückziehen, wie sich das einige Sparpolitiker noch vor Kurzem vorgestellt hatten.

Schauen wir uns noch die andere Seite der Medaille an, den Geldvermögensberg: Auch dieser ist inzwischen nicht nur riesig groß, sondern auch er wird in Zukunft weiter wachsen. Wenn also das Angebot an Sparvermögen weiter zulegt, MUSS der Preis dafür, also der Zins, logischerweise im Trend weiter fallen.

Das heißt: Beide Seiten, die Angebots- und die Nachfrageseite, sorgen dafür, dass die Zinsen langfristig weiter fallen und der Negativzins alles andere sein wird als eine vorübergehende Erscheinung. Die Notenbanken sind nur Verwalter, nicht Verursacher dieses Trends. Klar, sie könnten gegensteuern und die von ihnen beeinflussbaren Zinsen im kurzfristigen Bereich nach oben bringen (vom Tagesgeld bis hin zu Laufzeiten von – sagen wir – ein bis zwei Jahren). Damit würden sie aber recht bald eine veritable Krise auslösen und sich daran die Finger verbrennen. US-Notenbankchef Powell hat in dieser Hinsicht im vergangenen Jahr eine erste Erfahrung gemacht. Er hätte sich dabei beinahe die Finger verbrannt.

Ob wir es also gut finden oder nicht: Negativzinsen fürs Geld werden irgendwann so normal sein wie Parkgebühren fürs Auto,

meint Ihr
Raimund Brichta

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